Daten und Analyse zu Eigentum und Reichtum

Das Eigentum ist grundgesetzlich geschützt – Reichtum nicht, vermerkt der „Armuts- und Reichtumsbericht“ der Bundesregierung (2000). Eigentumsbeziehungen sind mit einer Fülle von ökonomischen und gesellschaftlichen Beziehungen verknüpft. Das Eigentum an verschiedenen Vermögensarten generiert Einkommen als Grundlage der Armut – Reichtumsbeziehung. Daten und Analysen zum Reichtum und den verschiedenen Formen des Einkommens wie Vermögens werden in dieser Abteilung zusammengestellt. Die Eigentumslage in der Bundesrepublik verfolgt bereits seit Jahren Rüdiger Liedtke
(jetzt: Wem gehört die Republik 2002?, Frankfurt 2001). Während das private Eigentum am Boden als der genuinen natürlichen Lebensgrundlage in der Geschichte in den entwickelten kapitalistischen Industriestaaten kaum noch hinterfragt wird (im Unterschied zu vielen Entwicklungsländern), ist die Frage Wem gehört das Leben? (Hannsjörg Küster, FAZ 23.6.00) seit Ende der 90er Jahre zum ständigen Feuilletonthema geworden, eng verknüpft mit den neuen Kämpfen um das „Intellectual property“ – die Stichworte sind hier „Natur“ (Hanno Kube, Eigentum an Naturgütern (Duncker & Humblot 1999) und „Wissen“ (s. etwa der Beitrag von Sabine Nuss und Lydia Heller zu Linux) . Wem eine „New Economy“ auf immateriellem Wissen basiert, der wird auch an erster Stelle fragen, wer dieses Wissen besitzt, darüber verfügt, es nutzen kann und dazu Zugang hat. Schließlich ist zu fragen, wie sich Eigentum repräsentiert und organisiert, wer seine Akteure sind.

Daten und Informationen zur Reichstumsverteilung in der BRD

Wie sehr die Tradition des Beschweigens auch hierzulande noch vorherrscht, belegt schon eine einfache Volltextsuche auf der Tausende von Dateien umfassenden Website des Bundesministeriums für Wirtschaft BMWi zum Stichwort Reichtum (25.08.01): 

Gefundende Dokumente: 6. Die Ergebnisse sind nach den Bereichen gruppiert, in denen gesucht wurde.
Das Ministerium: 0 Dokumente
Politikfelder: 1 Dokumente (Thema: Wintergärten)
Presseforum: 5 Dokumente
Berufsanfänger: 0 Dokumente
Existenzgründer: 0 Dokumente
Unternehmen: 0 Dokumente
Service: 0 Dokumente

Am 4.5.2005 ergab die gleiche Suche (das Ministerium heißt inzwischen BMWA): „Anzahl der Einträge: 5“

Auch in der kritischen Sozialwissenschaft ist das Reichtumsproblem in einer Diskurstradition, welche auf der fehlgehenden These Ulrich Becks von der „Ablösung der Logik der Reichtumsverteilung durch die Logik der Risikoverteilung“ (1986) beruhte, kaum thematisiert.  Der Armuts- und Reichtumsbericht [pdf] der Bundesregierung und der dazu gehörende Materialband [pdf] ist demgegenüber ein erster über die weithin legitimatorischen älteren Armutsberichte hinausgehender Versuch zur Diskussion von zwei Themen, die zusammengehören. Eine erste Bewertung des ersten Armuts- und Reichtumsberichts von gewerkschaftlicher Seite aus bietet die IG Metall, im Forum DL21 der sozialdemokratischen Linken findet sich u.a eine Erklärung von Konrad Gilges, MdB, zum Bericht (der ja in gewisser Weise „sein Kind“ ist). Werner Rügemer hat in den „Blättern für deutsche und internationale Politik“ 7/2001 eine Kritik verfasst, auf die im Folgeheft Konrad Gilges antwortete. Als Supplement 6/2001 der Zeitschrift Sozialismus schreiben Richard Detje / Dierk Hirschel und Karl Georg Zinn zu „Reichtum und Armut“ (Hamburg 2001) (alles leider nicht online). Zur Vorgeschichte im übrigen vgl. frühere Bundestagsdrucksachen: 13/6527 (Dr. Gregor Gysi und Gruppe), 13/7606 (Detlev von Larcher, Hans-Georg Seiffert), 13/7828 (Konrad Gilges u.A), 13/7933 (Rudolf Scharping und Fraktion), Plenarprotokoll 13/182 13.06.97 (Redner: Dieter Grasedieck, SPD; Heinz-Georg Seiffert, CDU; Andrea Fischer, Bündnis 90/Die Grünen; Dr. Barbara Höll, PDS). Mittlerweile gibt es den Materialband einer wissenschaftlichen Diskussion des ersten Armutsberichts und im Jahre 2005 erschien der zweite Armuts- und Reichtumsbericht der rot-grünen Bundesregierung.

Stefan Weick entwickelt Abgrenzungen bei der Frage: Wer zählt zu den „Reichen“ in Deutschland [pdf], in: Informationsdienst Soziale Indikatoren 24 (Juli 2000) S. 1-5  und einer immer wesentlicheren Frage geht Marc Szydlik nach: Wer hat, dem wird gegeben. Befunde zu Erbschaften und Schenkungen in Deutschland [pdf] in: Informationsdienst Soziale Indikatoren 25 (Januar 2001) S. 5-8. Holger Stein resümiert für die neueste Zeit: Trend zu abnehmender Konzentration der Vermögen scheint gestoppt. Analysen zur Vermögensverteilung in Deutschland [pdf], in: Informationsdienst Soziale Indikatoren 25 (Januar 2001) S. 1-4. Detaillierter werden die sich langsam etabliereren Darstellungen zu reichen Personen und ihrem Hintergrund: so das bunte „Archiv Deutschlands Unternehmer“ des Manager-Magazins.

Die öffentliche Debatte zur Reichtumsfrage ist -bestenfalls – zerstreut. Wolfgang Belitz hat 1998 einige Beiträge zur Reichtumsdebatte in Amos („Kritische Blätter im Ruhrgebiet“) publiziert. Online zugänglich ist auch die etwas ältere Studie von Martin Klauss Politik für mehr Reichtum – Daten und Anmerkungen zur Entwicklung von Reichtum und Armut in Deutschland, Freiburg 1998. Klaus M. Schmals liefert in seinem Text Armut im Reichtum ‚Soziologische Grundlagen I‘ (1999, Dortmund) ebenfalls einige Argumentationen, die über die Armutsdiskussion hinausgehen. 
Ein Projekt der AG „Umverteilen!“ einer rheinländischen Juso-Truppe weit im Westen Deutschlands mit dem Titel Reichtum umfairteilen!“  hat 2003 eine Reihe von Veranstaltungen zum Reichtumsthema durchgeführt. Hinzu kommt ein kurzer Forderungskatalog Reichtum umfairteilen. Angeknüpft wird dabei an eine nicht sehr dynamische Aktion der IG Metall (fairteilen – Initiative für soziale Gerechtigkeit), deren Grundlinien in einer Broschüre skizziert sind.

Zur Recherche siehe Eiwis (Fachinformation Wirtschaftsstatistik), die Financial Site (Würzburg) sowie seitens der Banke etwa DB-Research oder die Wirtschaftsdaten der Commerzbank. Die Site der Privaten Banken in der BRD ist ebenfalls materialreich. Zum aktuellen Stand der wissenschaftlichen Bearbeitung s. den gegewärtigen Armuts- und Reichtumbericht, den Wirtschaftsbericht 2004 – Zukunftsfaktor Innovationen des BMWA [pdf] und 2003 [pdf, englisch] und Wirtschaft in Zahlen 2001 des BMWi [pdf], sowie Anke Hassel, Martin Höpner, Antje Kurdelbusch, Britta Rehder und Rainer Zugehör: Dimensionen der Internationalisierung: Ergebnisse der Unternehmensdatenbank „Internationalisierung der 100 größten Unternehmen in Deutschland“ MPIfG Working Paper 00/1, Januar 2000. Die gewerkschaftlichen Einblick-Grafiken lohnen immer mal wieder einen Surfausflug, z.b. die Grafik zur Entwicklung des Bruttovermögens der privaten Haushalte in Bio DM 1998-1998 (nach DIW 30/99).
Neben dem Bericht der Bundesregierung die Trendletter der Prognos AG hin und wieder relevante Analysen.

Die Studie von Schüssler, Buslei, Lang: „Wohlstandsverteilung in Deutschland 1978-1993“, eine Untersuchung der Prognos AG und des ZEW Mannheim, untersucht im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung drei Aspekte der Wohlstandsverteilung in Deutschland: Die Verteilung der Grundvermögen, der Geldvermögen und der Einkommen. Der Schwerpunkt liegt auf der Analyse der Verteilung der Grundvermögen und der Geldvermögen. Hier werden zentrale neue Erkenntnisse erarbeitet. Bei der Analyse der Einkommensverteilung steht die Kritik an den üblicherweise verwendeten Einkommenskonzepten und daran anknüpfend die Relativierung von Ergebnissen zur Einkommensverteilung im Vordergrund:

Die grössten Verteilungsunterschiede bestehen bei den Grundvermögen der Haushalte. Dies hat seine Ursache zum einen darin, dass rd. 50 % aller Haushalte nicht über Grundvermögen verfügen. Darüber hinaus ist der Wert des Grundvermögens unter den Besitzenden sehr unterschiedlich. Sortiert man die Haushalte nach der Höhe ihres Grundvermögens, so entfielen 1993 auf diejenigen 10 % der Haushalte mit den höchsten Grundvermögen rd. 46 % des gesamten Grundvermögens (oder das 4,6fache des Wertes bei Gleichverteilung). Auf die zweite 10 %-Gruppe entfallen 20 % des gesamten Grundvermögens, und auf die nächstfolgenden Gruppen 15 %, 12 % und 7 % (sowie Null % für die unteren 50 %).(*1)
Die Geldvermögensbestände sind ebenfalls sehr ungleichmässig verteilt, jedoch sind die Unterschiede hier weniger stark ausgeprägt als bei den Grundvermögen. (*2) Nahezu alle Haushalte verfügen über (wenn auch teilweise nur niedrige) Geldvermögensbestände. Auf die nach der Höhe des Geldvermögens sortierten oberen 10 % der Haushalte entfielen 1993 rd. 48 % des gesamten Geldvermögens. Dieser Anteil ist sogar etwas höher als beim Grundvermögen. Die auf die vier nachfolgenden 10 %-Gruppen entfallenden Anteile am gesamten Geldvermögen sind geringer und die der unteren fünf Gruppen höher als beim Grundvermögen.
Reiche Haushalte
Die Gruppe der Haushalte mit dem jeweils höchsten Vermögensbestand beim Grund- und Geldvermögen hebt sich von den anderen Haushaltsgruppen deutlich ab. In Absolutwerten ausgedrückt handelt es sich um Haushalte mit einem Bruttogrundvermögen von mehr als 570.000 DM bzw. einem Bruttogeldvermögen von mehr als 220.000 DM (jeweils Preisstand 1993). Die beiden Werten dürfen nicht zusammengezählt werden, weil die Zugehörigkeit zu den 10 %-Gruppen gesondert festgelegt werden, d.h. es müssen nicht die gleichen Haushalte sein, die in die jeweilige oberste 10 %-Gruppe gelangt sind. Die Werte vermitteln jedoch eine Grössenordnung der Vermögensbestände an der Schwelle zwischen den oberen 10 % und den übrigen 90 % der Haushalte in Westdeutschland. An der Schwelle zu den oberen 10 % der Vermögensbesitzer beträgt die Summe aus Geld- und Grundvermögen weniger als eine Mio. DM. Betriebsvermögen und Quasi-Vermögensbestände aus Ansprüchen an die Altersversorgung sind dabei nicht berücksichtigt. Die Zahl der Haushalte mit Vermögen von mehr als einer Million DM ist mit anderen Worten auf weniger als 10 % aller Haushalte beschränkt. In der Mitte des gesamten Spektrums der jeweiligen Vermögensverteilung verfügen die Haushalte über ein Grundvermögen von rd. 64.000 DM und über ein Geldvermögen von 51.000 DM. An der Grenze zu den unteren 20 % der jeweiligen Vermögensverteilung ist das Grundvermögen Null und das Geldvermögen beträgt 13.000 DM.
Zeitliche Entwicklung
Die Form der Verteilung des Geld- und des Grundvermögens zwischen den privaten Haushalten hat sich in der untersuchten Zeitspanne von 15 Jahren kaum geändert. Die Verteilung des Grundvermögens ist im Zeitablauf gleichmässiger geworden, vor allem wegen des zunehmenden Anteils der Haushalte mit Grundeigentum. Dies äussert sich darin, dass die Grundvermögensbestände in der Mitte des Verteilungsprofiles (insbesondere vierte/fünfte und fünfte/sechste 10 %-Haushaltsgruppe) sich überproportional stark erhöhten. Die Verteilung des Geldvermögens ist dagegen ungleichmässiger geworden, der Anteil der obersten 10 %-Gruppe am Gesamtvermögen hat sich von 1978 auf 1983 und erneut von 1983 auf 1988 erhöht; von 1988 auf 1993 ist er allerdings etwas zurückgegangen.
Die im Zeitablauf zunehmende Ungleichheit der Verteilung der Geldvermögen zeigt sich bei den absoluten Vermögenswerten (in Preisen von 1993) besonders deutlich. Die Vermögensbeträge in den oberen Vermögensgruppen nehmen zu, während die Vermögensbeträge in den unteren Vermögensgruppen eher konstant bleiben oder sogar abnehmen (neunte/untere Gruppe).
Die oben genannten Ergebnisse schliessen geschätzte Vermögensbestände derjenigen Haushalte mit ein, die ein besonders hohes Einkommen aufweisen und deshalb aus dem Darstellungsbereich der Einkommens- und Verbrauchsstichproben herausfallen. Gerade bei der Analyse der Vermögensbestände sind die Haushalte mit sehr hohen Einkommen besonders wichtig. Obwohl nur etwa ein bis zwei Prozent aller Haushalte zu dieser Gruppe gehören, beträgt nach den Ergebnissen der Schätzung ihr Anteil an dem gesamten Grund- und Geldvermögen jeweils rd. 10 %. Allerdings ist die Schätzung mit einer hohen Unsicherheit behaftet.

Access

Seit Jeremy Rifkin`s Access ist die Frage des Zugangs bzw. der Schließung zu einem Zentralepunkt der Eigentumsdebatte geworden.
Eine ausgezeichnete Einführung in die Frage des Zugangs zu Wissen gibt Rainer Kuhlen Universal Access – Wem gehört das Wissen? (2001).
Eine orthodoxe Antwort geben David Ehrhardt and Rebecca Burdon in Free Entry in Infrastructure [pdf]. William
H. Simon geht dem Zusammenhang von Ownership and Equality nach.

Recht und Geistiges Eigentum

Das Juristische Internetprojekt Saarbrücken hat mit dem Institut für Rechtsinformatik ein sehr informatives Portal zum Urheberrecht im Internet aufgebaut.
Das Institut für Geschichtswissenschaften der HU Berlin bietet eine knappe Übersicht zu Geistiges Eigentum und Urheberrechte (u.a. Geschichte, Softwarepatente etc.).
Ebenfalls eine geraffte Übersicht in Form einer bewußtseinsbildenden Maßnahme für StudentInnen zum Thema „Plagiat“ stammt aus der FHTW Berlin.
Das Bijus-Projekt informiert an der Schnittstelle zwischen französischem und deutschem Rechtssystem über Geistiges Eigentum – Droit de la propriété intellectuelle.

Copyright: Kritische Beitraege der spaeten 90er

In kritischer Sicht und ausgreifender schon 1995 Harry Hillman Chartrand zu „Intellectual Property in the Global Village„, wo in einem ersten Einstieg ein globaler Überblick zu verschiedenen Traditionen des geistigen Eigentums gegeben wird.
Ein Klassiker ist Pamela Samuelson`s Is Information property? (Legally speaking) aus den Communications of the ACM März 1991. Die kritische US – amerikanische Site der Wahl zum Einstieg: die Seiten zu Intellectual Property Issues von Negativland. Das Nethics-Projekt (Rainer Kuhlen, Konstanz) enthält einige kritische Analysen zum Urheberrecht („Wissen als Eigentum„, „Universal Access„, „Digital Rights Management„, „Urheberecht im Internet). Kei Ishii und Bernd Lutterbeck (TU Berlin) legten 1999 einen ausführlichen Seminartext zu „Information Rules: Eigentum, geistiges Eigentum und gewerbliche Schutzrechte“ vor. Corpwatch macht am Beispiel privatisierter Bildung in den USA klar, wohin hartes Geistiges Eigentum führt. Sehr informativ und aktuell das Protokoll einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung vom Oktober 2000 in Sachen Wem gehört das Wissen? [pdf], die als Einstiegstext in die bundesdeutsche Diskussion geeignet ist.

Zur Open-Source -Debatte siehe James E. Bessen: Open Source Software: Free Provision Of Complex Public Goods [pdf]

In den USA finden sich kritische juristische Analysen in erster Linie bei James Boyle (Intellectual Property Page) und bei Yochai Benkler (New York); zum Einstieg in Sachen Intellectual property siehe Boyle`s Intellectual Property Policy Online: a Young Person’s Guide in 10 Harvard Journal of Law and Technology 47 (1996) und sein umfangreiches, natürlich US-zentriertes Material zu einem Seminar Intellectual Property in the Information Society (1999); aus neuerer Zeit zu nennen sind The Battle over the Institutional Ecosystem in the Digital Environment [pdf], in: Communications of the ACM 44 (2001) No. 2 S. 84-90;  Intellectual Property and the Organization of Information Production [pdf] (erscheint in: Int’l Rev. of L. & Ec., 2002); Free as the Air to Common use…First Amendment Constraints on Enclosure of the Public Domain [pdf]  in: New York University Law Review (21) 1999 Nr. 2 und Siren Songs and Amish Children: Autonomy, Information, and Law [pdf] In diesem Kontext auch Julie Cohen: Lochner in Cyberspace- The New Economic Orthodoxy of ‚Rights Management [pdf] (1998) und als Kritik an ihr Shubha Gosh: Gray Markets in Cyberspace [pdf]. Sehr lesenswert übrigens auch Julie Cohens Copyright, Commodification, and Culture: Locating the Public Domain. Zum Digital Rights Management auch Reiner Kuhlen`s: Verschärfung des Digital Right Management.(August 2001). Übergreifend dazu dann  Lawrence Lessig,The Architecture of Innovation [pdf] (2001). Weiterhin zur Fragen der Warenzeichen Marcelo Halpern and Ajay Mehrotra: From International Treaties to Internet Norms: The Evolution of International Trademark Disputes in the Internet Age [pdf] Douglas G. Baird: Does Bogart Still Get Scale- Rights of Publicity in the Digital Age [pdf]. Ein aktuelles Schlüsselproblem, das die Kommodifizierung des Internets rapide beschleunigt hat, behandelt R. Anthony Reeese in seinem Text Copyright and Internet Music Transmissions: Existing Law, Major Controversies, Possible Solutions [pdf]. Jessica Littmann geht dem Zusammenhang von Information Privacy/Information Property (2000) nach [pdf].

Christopher May (Bristol) analysiert als einer der wenigen die Frage des geistigen Eigentums in einem übergreifenden Kontext in seinem Papier Capital, Knowledge and Ownership. The ìnformation society‘ and intellectual property [pdf], erschienen in Information, Communication & Society 1:3/1998, S. 246–269; er sieht die Informationsgesellschaft als intensivierten Kapitalismus. Eine lesenswerte Seminararbeit von Daniel Boos entstand 1996/97 bei Geser in Zurich über die Implikationen der Informationstechnologie auf die Publikation von Geistigem Eigentum. Stefan Krempl schliesslich skizziert in seinem bereits älteren Beitrag Der Kampf um das intellektuelle Eigentum (Telepolis 1998) die internationale Debatte um die Positionen der Worls Intellectual Property Organization (WIPO), ebenso eine zentrale Einrichtung des Wissenseigentums wie das Europäisches Patentamt.
Die copyright- und zum Teil eigentumskritische Debatte wurde in den USA zunächst vor allem in der libertären Tradition geführt. So versucht Roderick T. Long eine grundsätzliche Kritik am geistigen Eigentum in The Libertarian Case Against Intellectual Property Rights. The Intellectual Property Debate von George Winborne führt in Aspekte der US- Patentgesetzgebung ein, Samuel Edward Konklin III argumentiert in Copywrongs gegen das Copyright und Bobby Yates Emory plädiert für „Rightcopy“ in A New Form of Intellectual Property Protection. Jenseits davon kritisiert John Gilmore den Kopierschutz in seinem Beitrag What’s Wrong With Copy Protection.
Den besten Überblick über grundsätzliche und aktuelle Kritik in der BRD bietet die Website Schutz der informatischen Innovation vor dem Missbrauch des Patentwesens. 

Privatisierung von Bildung

Zum Thema Bildung siehe William W. Bostock: The Global Corporatisation of Universities: Causes and Consequences, in: Antepodium 3/1999, sowie Ingrid Lohmanns Anmerkungen über Bildungspolitik, in: Ingrid Lohmann, Rainer Rilling (Hg.): Die verkaufte Bildung. Kritik und Kontroversen zur Kommerzialisierung von Schule, Weiterbildung, Erziehung und Wissenschaft, Opladen 2001, sowie: http://www.ingridlohmann.de.

Universitaere Forschung und Lehre: Open Access?!

Zum öffentlichen (Universitäts-)Wissen s. Jan Newmarch: How owns University Web Courseware? bzw. sein Beitrag in First Monday 6/2001 Lessons from Open Source: Intellectual Property an Courseware.
Im äußerst lesenswerten Red Rock Eater Digest ist eine Debatte der UCLA vom Juni 2000 zur Frage Teaching, Intellectual Property, and New technologies dokumentiert.

Die Oekonomie digitalen Wissens (Literatursammlung)

Den aktuellen Mainstream vertreten Margaret Blair, Gary Hoffman and Salvatore Tamburo: Clarifying Intellectual Property Rights for the New Economy[pdf] (2001).
Jenseits der üblichen Herangehensweise hat sich Brian Thomas Carroll um einer Visualisierung des Cyberspace bemüht – indem er handfest der elektronischen Infrastruktur (electronetwork) nachging. Ein prominenter Frühläufer zu dieser Debatte ist John Perry Barlow`s: The Economy of Ideas (Wired 3/1994).

Eine lange Diskussion entwickelte sich um die unhaltbaren Thesen von Franck / Goldhaber: Michael H. Goldhaber: Die Aufmerksamkeitsökonomie und das Netz – Teil I. Telepolis vom 27.11.1997, Teil II. Telepolis vom 12.12.1997; weiter Georg Franck: Jenseits von Geld und Information. Zur Ökonomie der Aufmerksamkeit. Telepolis vom 9.11.1998; dann Florian Rötzer: Geschäftsmodelle in der Aufmerksamkeitsökonomie. Aufmerksamkeit gegen bares Geld. Telepolis vom 1.2.1999 und kritisch dazu Richard Barbrook: The High-Tech Gift Economy. Aus der Mailingliste Nettime vom 19.10.1998 (und die Fußnoten dazu) und sein Text Cyber-Communism. How the Americans are superseding capitalism in cyberspace (aus der Mailingliste Nettime vom 6.9.1999). Peter Kollock: The Economics of Online Cooperation: Gifts and Public Goods in Cyberspace, in: Marc Smith and Peter Kollock (Hg.): Communities in Cyberspace, London 1999 debattierte ebenfalls den geschenkökonomischen Ansatz.
Schliesslich stärker noch überleitend zu der neueren auf die freie Software bezogene Debatte Rishab Ayer Gosh: Kochtopfmärkte. Ein ökonomisches Modell für „freie“ Ressourcen im Internet. Telepolis vom 29.07.1999. Einige interessante Beiträge in diesem Zusammenhang über Commodity and Copyright kommen von Wendy Gordon. Ins ökonomische Detail gehen dann James Bessen und Eric Maskin mit ihrer Studie Sequentielle Innovation, Patente und Imitation (MIT, Boston 1999) [pdf], welche zu belegen sucht, dass das Patentsystem in diesem Technologiebereich eher nicht innovationsstimulierend ist. Ganz anders dagegen der Vortrag von Fritz Teufel auf der Tagung der heinrich-Böll Stiftung im Oktober 2000 zum Thema Software-Patente – Motor oder Bremse für Innovationen? [pdf] Dazu auch Widdison R,  Software Patents Pending? Heft 3/2000 The Journal of Information, Law  and Technology (JILT) und Rainer Fischbach’s Gewerbeschutz (ix 9/1999).
Gesondert zu nennen sind die Beiträge von Sabine Nuss, z.B. über „Digitales Eigentum“ zum 1. Eigentumsworkshop der RLS Ende Dezember 2001.

Und: Die Auguren einer grundsätzlichen Neuverwandlung des Kapitalismus durch die Digitalisierung der Ökonomie und eine wissensgesellschaftliche Transformation sind spätestens im Herbst 2001 im Angesicht des Börsencrashs verstummt. Um so relevanter eine nüchterne Einschätzung der „New Economy“. Zur US-Entwicklung dazu zunächst Dale W. Jorgenson, Kevin J. Stiroh: Raising the Speed Limit: U.S. Economic Growth in the Information Age [pdf], weiter grundsätzlich Stephen S. Cohen, J. Bradford DeLong, and John Zysman (2000), „Tools for Thought: What Is New and Important About the ‚E-conomy‘?“ BRIE Working Paper 138 (Berkeley: Berkeley Roundtable on the International Economy)[pdf].

INKA: Internationales Netzwerk fuer Kultur- und Artenvielfalt

INKA:Biodiversitaet und geistige Eigentumsrechte: Unsere Positionen:Generell soll es verboten sein, Pflanzen und Tiere ebenso wie Mikroorganismen und alle anderen lebenden Organismen und deren Teile zu patentieren.Bauern sollen weiterhin das traditionelle Privileg (Landwirteprivileg) haben, einen Teil der Ernte abgabenfrei zur Wiederaussaat zu verwenden, ohne Nachbaugebühren zu bezahlen. Außerdem sollen sie eigene Sorten entwickeln und weitergeben dürfen. Die betroffene Bevölkerung muss an der Entscheidung beteiligt werden, ob in Ihrem Gebiet geforscht und inwieweit traditionelles Wissen genutzt werden darf. Bei Forschungsvorhaben, die darauf abzielen nutzbare Ressoucen zu erschließen, sollen nationale Wissenschaftler mit einbezogen werden. Die Nutzung von natürlichen Ressourcen muss den Erhalt des gesamten Lebensraumes  berücksichtigen. Die Landrechte indigener Völker sind von den jeweiligen nationalen Regierungen anzuerkennen, um ihr traditionelles Wissen zu schützen und eine selbstbestimmte Entwicklung zu gewährleisten.