MOSKAU, 13. Oktober (RIA Nowosti). Der einzige Weg, die Qualität der Wirtschaftspolitik in Russland zu steigern, besteht darin, den Ölsektor zu privatisieren und die Einschränkungen für den Zugang von Ausländern zur Energiewirtschaft aufzuheben. Diese Meinung äußerte Andrej Illarionow, Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten, am Donnerstag in der „Iswestija“.
Seine neue Diagnose für Russland lautet „Petrokapitalismus“ (vom lateinischen „petroleum“). Die Supereinnahmen infolge der hohen Ölpreise hätten die politische Elite demoralisiert und die Qualität der Wirtschaftspolitik radikal verschlechtert, so Illarionow. In Russland sei ein „Petrostaat“ entstanden, der, vertreten von der Petro-Elite, eine uneffektive Petro-Politik realisiere. Schuld daran sei nicht das Öl, sondern die Einstellung der herrschenden Eliten dazu. Die Einträglichkeit des Ölsektors gebe den Beamten keine Ruhe, stellt der Präsidentenberater fest.
Russland geht den Weg einer Nationalisierung – Beispiele dafür sind der Erwerb der Ölgesellschaft Sibneft durch Gasprom und der Verkauf des Konzerns Power Machines an die Stromholding RAO UES. Dies führte zu einem Ausbleiben von Investitionen, zur Einstellung des Wirtschaftswachstums und zu einer radikalen Verringerung der Pro-Kopf-Einkommen. Illarionow prophezeit Russland die Zukunft eines Venezuela, das nach der Nationalisierung der Ölindustrie zu einem „Paria der internationalen Völkergemeinschaft“ geworden sei.
Die Macht lässt sich aber in der jetzigen Etappe nicht davon beeindrucken, führt er weiter aus. Die Öldollars kommen weiterhin in einem endlosen Strom her, und der Staat erhöht mit allen Mitteln die Staatsausgaben. Insofern gibt es dank der Ölkonjunktur immer mehr Beamte, während die Beschäftigung im Marktsektor sinkt.
Von einer niveauvollen Wirtschaftspolitik kann keine Rede sein, so Illarionow. Deshalb kann die Wirtschaft auch keine Erfolge aufweisen. Die Inflation nimmt zu, die Industrie entwickelt sich nicht, der Import schlägt alle Rekorde, während das Geld aus dem Land flüchtet. Die Wirtschaft wächst um 5,7 Prozent, während das Wachstum auch 15,3 Prozent hätte betragen können, wäre Russlands Führung bei der Wahl der ökonomischen Entwicklungsstrategie weitsichtiger gewesen.
Vorbilder für Russland sieht Illarionow in den GUS-Nachbarländern Aserbaidschan und Kasachstan. Dort gehört der gesamte Ölsektor privaten Unternehmen, dazu noch hauptsächlich ausländischen. Als Folge hat Aserbaidschan sein BIP bereits verdoppelt, während Kasachstan das im nächsten Jahr tun wird. Russland aber würde das laut der Prognose des Präsidentenberaters frühestens 2012 erreichen können.
Quelle: >>> http://de.rian.ru/articles/20051013/41760546.html
Autoren Archive: Markus Euskirchen
Ein Riese bewegt sich
Bill Emmott, Chefredakteur des Londoner Wirtschaftsmagazins Economist, schrieb vor 16 Jahren ein vorausschauendes Buch. Sein Titel: Die Sonne geht auch unter. Darin analysierte der Journalist schon vor dem großen Börsencrash in Tokyo die Grenzen und Schwächen des japanischen Wirtschaftswunders. Vergangene Woche hat Emmott einen 18-seitigen Report in seiner Zeitung wieder Japan gewidmet. Die Überschrift diesmal: Die Sonne geht auch auf. Soll heißen: Japans Talfahrt ist vorbei. Emmott glaubt, das Land habe sich im Schneckentempo der letzten Jahre nachhaltig liberalisiert, die Hauptbürden der Vergangenheit – Korruption und die Tradition lebenslanger Beschäftigung – abgeschüttelt und stehe nun vor einer neuen Wachstumsphase.
Wie tiefgreifend sich Japan verändert hat, zeigt das Gesetz zur Privatisierung der staatlichen Post, das nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen am Dienstag vom Tokyoter Unterhaus gebilligt worden ist und am Freitag durch ein zweites Votum, diesmal durch das Oberhaus, endgültig verabschiedet werden soll. Der gesamte Wahlkampf bis Anfang September war in Japan von diesem Thema bestimmt. Und dieses Thema war es letztlich auch, das Junichiro Koizumi, dem entschiedensten Verfechter der Postprivatisierung, zu einer triumphalen Wiederwahl als Premierminister verholfen hat. Zwar mahnt Emmott in seinem Artikel vor zu hohen Erwartungen in Hinblick auf die Reform: »Die Privatisierung der Postsparkasse wird Japan nicht auf zauberhafte Art und Weise in eine Wachstumsökonomie verwandeln.« Dennoch ist sie für japanische Verhältnisse geradezu revolutionär.
Als Koizumi als junger Abgeordneter der praktisch ohne Unterbrechung regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) Anfang der achtziger Jahre erstmals die Postprivatisierung forderte, machte er sich damit zum Außenseiter in seiner Partei. Schließlich sicherte die sich dank der Post einen Großteil ihrer Macht im Lande. 1992, während einer Parteikrise, wurde Koizumi gleichwohl Postminister. Doch seit wann können Minister in Japan ihren Ministerialbeamten Befehle erteilen? Koizumi blieb als Minister einflusslos. 2001, während einer der zahlreichen Parteikrisen, wurde er Premierminister und nahm den Kampf auf. Doch wieder hielt die Partei ihn hin. Erst 2004 ging Koizumi aufs Ganze. Er beauftragte seinen besten Mann, Wirtschaftsminister Heizo Takenaka, mit der Vorbereitung der Privatisierung. Der zögerte nicht und entwarf ein so radikales Gesetz, dass die Partei es im Parlament Anfang August ablehnte. Koizumi tobte, berief Neuwahlen ein. Und gewann.
Sein Sieg gleicht einem Sieg Japans über sich selbst.
Bereits 1871 wurde die japanische Post im Zuge der ersten Anfänge der Öffnung Japans zum Westen gegründet. Damals übernahm die Armee das preußische Militärwesen. Manufakturen nach englischer Art wurden gegründet, und auch die neuen roten Briefkästen, die ihre Farbe nie änderten, folgten dem englischen Vorbild. Doch ansonsten blieb die Post von ihrer Gründung bis heute die traditionellste aller Institutionen im modernen japanischen Staatswesen.
Der Grund dafür liegt in der Konstruktion der Post. Die Regierung in Tokyo hatte die Gründung und Bestellung ihrer Postämter, anfangs mangels Geld und Infrastruktur, den alten Großgrundbesitzerfamilien übertragen. So wurde das Postamt zur informellen lokalen Herrschaftsinstanz im ländlichen Japan. Es blieb stets im Familienbesitz, gestützt von einem Franchising-System, in dem der Staat Löhne garantiert und die Vererbung der Konzession des Postbetriebs an nachfolgende Generationen erlaubt. Heute sind viele Amtsleiter bereits Diener des Staates in der dritten oder vierten Generation. Ihre Familien regieren Dörfer und Kleinstädte. Sie verwalten neben der Post den lokalen Wohlfahrtsverein und kümmern sich um alte Leute. Ihre Briefträger sind Seelsorger. Bei Bedarf führen sie den Wahlkampf der Liberaldemokraten. »Das Postamt in Japan ist wie die Kirche in Irland oder Polen«, sagt Kenneth Courtis, Vize-Präsident der US-Investmentbank Goldman Sachs in Tokyo.
18935 Ämter werden von Familien geführt – ihr Einfluss ist groß
Offiziell gliedert sich die Post in drei Geschäftsbereiche: in das Brief- und Paketgeschäft, die Postsparkasse als Anlageoption vor allem für die Klein- und mittleren Verdiener und den Verkauf von Lebensversicherungen. Was sie, im Gegensatz zur ehemals staatlichen deutschen Postbank, nicht darf: Kredite vergeben. Doch blieben die japanischen Sparer der Post treu, weil das Land immer wieder Pleiten privater Banken erlebte: erst in den 20iger Jahren, dann nach dem Krieg, zuletzt zu Beginn der neunziger Jahre. Bei der Post, so glauben die Japaner unverändert, ist ihr Geld am sichersten aufgehoben. Wenngleich immer noch Milliarden unter der Bettmatratze, sprich: unter dem Tatami verwahrt werden.
Postämter sind in Japan so verbreitet wie Sushi-Läden. 18935 »speziell« genannte Postämter, die auf dem alten Großgrundbesitzermodell basieren, zählt das Land. 4470 Ämter gründen auf Landkooperativen, nur 1310 weitere wurden vom Staat selbst in den großen Städten errichtet. »Seit 1871 sorgt die Post für den Zugang zu Informationen, Warentransport, Finanzen und Verwaltung. Sie ist die Basis des Lebens. Sie ist fürs Volk und die lokale Gemeinschaft wie die Luft, die man zum Leben braucht.« Das ist der Anspruch, wie ihn die japanische Post mit ihren 400000 Angestellten noch heute in einer Werbebroschüre formuliert.
3,4 Billionen Dollar Einlagen – eine Geldquelle für die Regierung
Die enge Verbindung zwischen Politik und Post resultiert aus dem zweiten Weltkrieg. Das Finanzministerium war in den Jahren der Kampfhandlungen angehalten, unermesslich große Summen in die Rüstung zu pumpen. Deshalb wurde die Postsparkasse gezwungen, mit ihren Spareinlagen diese Milliardenausgaben über den Kauf von Staatsanleihen zu finanzieren. Das System war so erfolgreich, dass es nach dem Krieg fortgesetzt wurde. Seither verfügt Japan über einen »zweiten Staatshaushalt«, wie es im Jargon des Tokyoter Finanzministeriums heißt. Bis heute ist die Post der größte Abnehmer japanischer Staatsanleihen. Eine nahezu unversiegbare Geldquelle für die Regierenden.
Denn die japanische Postsparkasse ist seit Jahrzehnten die größte Bank der Welt. Heute verfügt sie mit Einlagen von 3,4 Billionen Dollar über mehr als ein Drittel aller Spar- und Lebensversicherungseinlagen in Japan. Das entspricht rund zwei Dritteln des Bruttosozialprodukts in der immerhin zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt. Über die Verwendung dieser Summen entschied bis 2001 allein das Finanzministerium. Es ließ mit dem »zweiten Haushalt« Brücken und Straßen bauen, zwei Drittel der japanischen Küste wurden einzementiert, jede Großstadt bekam ein Fußballstadion, jede Kleinstadt eine Mehrzweckhalle. Politiker durften sich für diese Taten rühmen und die Bauunternehmen für die Aufträge bedanken. »Der japanische Finanzsozialismus finanzierte sich über Postsparkasse und Postversicherung«, sagt Jesper Koll, Chefökonom der US-Investmentbank Merrill Lynch in Tokyo.
Schuldner der Postsparkasse ist allein der Staat. Im Prinzip kann Japan damit leben. Als größte Kreditgebernation der Welt, die heute wieder über gesundetes Bankensystem verfügt, steht Tokyo derzeit finanzpolitisch nicht unter Druck. Doch die Hypotheken auf die Zukunft des Landes sind hoch. Die Verschuldung des Staates wächst in diesem Jahr erneut um mehr als sechs Prozent, bis 2009 könnte Japan mit 200 Prozent seines Bruttosozialprodukts rote Zahlen schreiben. Hinzu kommt das ungelöste Problem der Pensionskassen, in denen sich mit der Verrentung der Babyboom-Generation in den nächsten Jahren riesige Lücken auftun werden. Dafür sieht die Koizumi-Regierung heute nur eine Lösung: den Verkauf der Post. Das sozialpolitische Netzwerk der Post interessiert sie deshalb nicht mehr. Und dank neuer Wählerschaften in den Städten muss die LPD heute einen Machtverlust weniger als früher scheuen, wenn sie die alten Großgrundbesitzstrukturen auf dem Land aufgibt.
Wie aber soll das funktionieren: die Privatisierung eines Finanzriesen mit Geldern in Höhe von zwei Dritteln des Bruttosozialprodukts? In vier Bereiche will Koizumi die Post splitten: in den Postamtbetrieb, den Brief- und Paketdienst, die Sparkasse und das Lebensversicherungsgeschäft. Doch erst einmal hat sich die Regierung zwölf Jahre lang Zeit gegeben: Erst 2017, so steht’s im neuen Gesetz, soll die Privatisierung der japanischen Post abgeschlossen sein. Weil an schnelle Lösungen nicht zu denken ist. Ohnehin sind private Banken und Versicherungen in Japan nicht an einer durch neue Investoren gestärkten Post interessiert. Sie verlangen die Zerschlagung und Auflösung der Post, in der sie immer einen vom Staat unfair bevorteilten Wettbewerber sahen.
Der Trend ist klar. »Der Staat zieht sich zugunsten des privaten Sektors zurück«, analysiert ein hoher Beamter im Tokyoter Finanzministerium das Wesen der Postreform. Er warnt, dass es lange dauern werde. Doch schon jetzt bereiten sich mit Blick auf die Postprivatisierung die großen internationalen Investmentbanken auf lukrative Börsengeschäfte und Fondsgesellschaften auf einträgliche Kooperationen bei der Vermarktung von Finanzprodukten vor.
Genau davor hatte der ehemals einflussreiche Bau- und Verkehrsminister Shizuka Kamei, bis zuletzt einer der vehementesten Gegner der Postprivatisierung, vor allem anderen gewarnt. »Japan wird im Namen der Globalisierung von ausländischen Kräften erobert. Die Postprivatisierung ist die letzte Phase dieses Prozesses. Mit ihr verschenken wir 3,4 Billionen Dollar an Amerika«, schimpfte Kamei. Seine Rufe verhallten ungehört.
Von Georg Blume, DIE ZEIT 13.10.2005 Nr.42
>>> http://zeus.zeit.de/text/2005/42/G-Japan__Post
Hurra!
Der 100ste ppg-Weblog-Eintrag!
Dafür gibt es ein thematisch passendes MP3-Geburtstagsständchen aus Hamburg von Bernadette La Hengst: „Copy Me (I want to travel)“.
kurz erklaert III: Oeffentliche Gueter
Öffentliche Güter sind Güter, die nicht als Ware auf dem Markt verkauft werden und die allgemein benutzt werden können.
Jens Martens & Roland Hain, Globale öffentliche Güter. Zukunftskonzept für die internationale Zusammenarbeit? [pdf], bieten eine weitergehende Einführung in die Geschichte des Konzepts und seine Bedeutung, bemühen sich Stärken und Grenzen zu benennen. Sie betonen den politischen Charakter des Begriffs: was als „öffentliches Gut“ definiert wird, ist von jeher eine politische Entscheidung.
Mehr dazu auf einer ppg-Themenseite zu „Öffentlichen Gütern“.
Die 50 Maechtigsten (Manager-Magazin)
Irland: Aerzte befuerchten Privatisierung der hausaerztlichen Versorgung
DUBLIN. Irische Ärzteverbände befürchten „eine Privatisierung der staatlichen Primärmedizin durch die Hintertür“. Grund für die Unruhe innerhalb der Ärzteschaft ist die Entscheidung einer lokalen Gesundheitsverwaltung in Dublin, private Serviceanbieter damit zu beauftragen, an Sonn- und Feiertagen sowie nachts Vertretungsdienste für staatliche Hausarztpraxen zu übernehmen.
Die Dubliner Gesundheitsverwaltung, die für die Organisation der hausärztlichen Versorgung von rund 500 000 Patienten im Norden der irischen Hauptstadt verantwortlich ist, möchte die Notdienstvertretung an einen privaten Dienstleister vergeben. Laut Gesundheitsverwaltung seien die staatlichen Hausarztpraxen nicht in der Lage, eine reibungslose Patientenversorgung rund um die Uhr zu gewährleisten. Das wird vom irischen Ärztebund (Irish Medical Organisation, IMO) bestritten.
Der befürchtet, die Gesundheitsverwaltungen handelten auf Anweisung der Regierung, indem gezielt versucht werde, private Serviceanbieter ins Geschäft zu bringen. Zahlreiche private Unternehmen haben bereits ihr Interesse bekundet, irische Patienten nach Praxisschluss der staatlichen Hausarztpraxen notmedizinisch versorgen zu wollen.
Gesundheitspolitische Beobachter rechnen damit, dass es in den kommenden Monaten zu Protestaktionen der Ärzteschaft kommen werde, sollte nicht bald eine gütliche Einigung mit dem Gesundheitsministerium erreicht werden./KT
Quelle: >>> http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=21679
Newsletter "Forum Kommunalwirtschaft"
Im regelmäßig erscheinenden Newsletter des „Forum Kommunalwirtschaft“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Zusammenarbeit mit „Complan“ sind viele Beiträge zu Privatisierung und PPP im kommunalen Rahmen zu finden.
Die Newsletter stehen als pdf-Dateien zum download bereit.
>>> http://www.complan-consulting.de/aktuell.htm
DGB-Kreisverband fordert Lernmittelfreiheit statt Privatisierung der Bildung
Dorfen (ar) – „Weg mit dem Büchergeld! Her mit der Lernmittelfreiheit!“ Das hat Willi Scheib, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Freising-Erding, angesichts der Debatte um das Büchergeld erneut gefordert. „Die von der CSU im Bayerischen Landtag beschlossene Eigenbeteiligung an der Lernmittelfreiheit müsste ehrlicherweise Abschaffung der Lernmittelfreiheit und Ausbau der Privatisierung von Bildung heißen“, schreibt Scheib in einer Pressemitteilung.
Heftige Kritik übt der Gewerkschafter auch am Sparkurs der Regierung. Sparen müsse man, heiße es, weil der Staat kein Geld mehr habe. „Wie könnte es anders sein, wenn den Großverdienern die Steuersätze Schritt für Schritt heruntergesetzt werden und die Großkonzerne und Banken Höchstprofite einfahren, ohne Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen? Es geht hier nicht ums Sparen, sondern um Umverteilung von unten nach oben. Und weil man die skandalösen Gewinne der Monopole wie z.B. jene der Öl- und Gasindustrie nicht schmälern will, greift man in die Tasche der kleinen Leute, hier beim Büchergeld in die der Erziehungsberechtigten und der volljährigen Schülerinnen und Schüler“, so Scheib.
Neben der Umverteilung gehe es um Privatisierung von Bildung und Ausbildung: Gebühren für den Besuch von Kindertagesstätten, Büchergeld, Studiengebühren, die Diskussion um die Beteiligung der Erziehungsberechtigten an den Schulbuskosten sowie der Versuch, Ausbildungsvergütungen zusammenzustreichen, wiesen in diese Richtung.
Scheib fordert die Abgeordneten des Bayerischen Landtags auf, den Beschluss zur Eigenbeteiligung an der Lernmittelfreiheit zurückzunehmen und die Lernmittelfreiheit in Bayern wieder herzustellen. „Die Kinderarmut darf nicht noch mehr zunehmen, die Abhängigkeit der Bildungschancen der Schülerinnen und Schüler von der sozialen Lage des Elternhauses darf nicht noch mehr zementiert werden. Bildung darf keine Angelegenheit des privaten Geldbeutels, sondern muss eine gesellschaftliche Aufgabe sein“, fordert der DGB-Kreischef eindringlich.
Quelle: http://www.marktplatz-oberbayern.de/regionen/dorfen/art1580,319631.html?fCMS=75534fb8e070e1c91d4cf7324788d904
Bauindustrie macht fuer Privatisierung mobil
Berlin (ots) – „Private Investoren sollten künftig stärker in den Ausbau, die Unterhaltung und den Betrieb des deutschen Autobahnnetzes einbezogen werden.“ Dafür hat sich heute in Berlin der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dr.-Ing. Hans-Peter Keitel, ausgesprochen. Die Bauindustrie unterstütze die Initiative von Bundeswirtschaftsminister Clement, der sich am Wochenende für eine schrittweise Privatisierung des deutschen Autobahnnetzes eingesetzt hatte. Keitel: „Deutschland muss neue Wege in der Verkehrswegefinanzierung beschreiten, wenn wir die Konkurrenzfähigkeit unserer Verkehrs-systeme im internationalen Standortwettbewerb erhalten wollen. Die einzelnen Schritte könnten in einer interministeriellen Arbeitsgruppe unter Einbeziehung der Privatwirtschaft geklärt werden.“
Gleichzeitig sprach sich Keitel dafür aus, die privaten Autofahrer bei einem solchen Systemwechsel und der damit verbundenen Einführung von Nutzungsgebühren zu entlasten. Zur Kompensation schlägt Keitel eine entsprechende Senkung der Mineralölsteuer vor. Hier bestehe ohnehin politischer Handlungsbedarf, da das Gefälle der Mineralölsteuersätze zu den Nachbarstaaten Deutschlands inzwischen so groß sei, dass es zu Steuerausfällen führe.
„Zusätzliche Investitionsmittel allein genügen jedoch nicht, um die Leistungsfähigkeit unseres Verkehrssystems sicherzustellen,“ erklärte Keitel. Deutschland brauche gleichzeitig eine Organisationsreform des deutschen Autobahnsystems, insbesondere der Straßenbauverwaltung. Ganz wichtig sei, die Zuständigkeiten für die Bundesfernstraßen zwischen Bund und Ländern neu zu ordnen. Beispielsweise müsse der Bund künftig eine umfassende Verantwortung für ein Netz von Bundesfernstraßen mit herausragender überregionaler Bedeutung (erweitertes Autobahnnetz) erhalten. Die Bauindustrie rege deshalb an, die im Grundgesetz verankerte Auftragsverwaltung der Länder für die Bundesfernstraßen im Rahmen der bevorstehenden Föderalismusreform auf den Prüfstand zu stellen.
Quelle: >>> http://www.presseportal.de/story.htx?nr=734665
VUBIC unterstuetzt Forderung Clements zur Privatisierung der Autobahnen
Aus dem
Ist Bildung oeffentliches Gut oder eine Ware?
Tagung in Humboldt-Schule mit umgedichtetem Lied über Rüsselsheimer Kita-Verhältnisse / Kritik an Privatisierung
teg. Um überhaupt über Bildung in unserer Gesellschaft diskutieren und neue Methoden entwickeln zu können sind laut Prof. Dr. Gerd Steffens gemeinsame Werte, Kommunikations-Formen und eine Objektivität von Nöten. Der Wissenschaftler von der Universität Kassel war von den GEW-Kreisverbänden Groß-Gerau und Main-Taunus sowie dem Rüsselsheimer Aktionsbündnis gegen Sozialabbau anlässlich des Bildungstages eingeladen worden. Die Tagung in der Humboldt-Schule beleuchtete nicht nur die Folgen der gegenwärtigen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen für die Bildung, sondern erarbeitete auch Lösungsvorschläge, um die Situation gemeinsam verbessern zu können. Der recht abstrakte Vortrag von Steffens vor der Arbeit in den verschiedenen Gruppen diente als Einstieg in das Thema „Bildung zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Qualifikation für den Arbeitsmarkt“.
Bernd Heyl, der für die Veranstalter sprach, kritisierte die beginnende Privatisierung von Fortbildungen, die bis vor kurzem noch vom Landesinstitut für Pädagogik kostenlos angeboten wurden. „Wir als Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft lehnen es ab, dass Bildung zur Ware verkommt.“ Genau dieses Thema stellte Steffens in den Mittelpunkt seines Vortrags. „Ist Bildung öffentliches Gut oder eine Ware?“ Zur Lösung dieser Frage arbeitete er heraus, dass Bildung für jeden Menschen zugänglich sein müsse, „da sonst eine Neofeudalisierung durch Privatisierung oder sozial-selektive Mechanismen stattfindet“. Bildung brauche außerdem einen objektiven Horizont, sowie kritik- und urteilsfähige Menschen. Zu guter Letzt lautete seine theoretische Folgerung: Wenn es nur eine Meinung gibt und keine Opposition vorhanden ist, kann keine Bildung stattfinden.
An den Reaktionen der Zuhörer merkte man die Zustimmung auf seine Theorie über die heutige Doppelstruktur in Politik und Wirtschaft, „die man im Kopf nicht aushält“. So fragte der Wissenschaftler: „Wie kann man von Minijobs als Einstiegsweg in den Arbeitsmarkt reden und gleichzeitig die Schaffung regulärer Arbeitsplätze unattraktiver machen?“
Um Interessenten die Möglichkeiten zu geben, die Thematiken in Steffens Vortrag aufzuarbeiten, wurde kurzerhand eine weitere Arbeitsgruppe unter Leitung des Wissenschaftlers ins Leben gerufen.
Die als Überraschungsaktion angekündigten Erzieherinnen der lokalen Verdi-Gruppe übten auf kreative Weise Kritik an der Sparpolitik im Bildungssektor: Sie hatten das Peter Maffay-Lied „Über sieben Brücken musst du gehen“ auf Rüsselsheimer Verhältnisse in Kinderbetreuungseinrichtungen umgedichtet und ernteten dafür viel Beifall von den rund 250 anwesenden Erziehern und Elternvertretern.
Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten sollen laut Heyl gegen Ende des Jahres in der nächsten Ausgabe der GEW-Regionalzeitung der Kreisverbände Groß-Gerau und Main-Taunus zu lesen sein.
>>> http://www.main-spitze.de/region/objekt.php3?artikel_id=2073376
Japans Postdienste werden privatisiert
Regierungsentwurf sieht Aufspaltung und Verkauf über längeren Zeitraum vor. Der Streit über die geplante Privatisierung der staatlichen Post bescherte Japan Neuwahlen. Nach seinem Wahlsieg macht Premier Junichiro Koizumi nun ernst. Von Jens Adolph http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=79196&IDC=3&DB=O2P
Forstleute fordern: "Keine Privatisierung des Landesbetriebes Hessen-Forst"
Schotten – Die Forderung des Vorsitzenden des Steuerzahlerbundes, Fried, nach der Privatisierung des öffentlichen Waldes in Hessen ist vom Bund Deutscher Forstleute (BDF) als „verantwortungslos und kurzsichtig“ abgelehnt worden.
Weiter lesen: >>> http://www.osthessen-news.de/beitrag_B_Druck.php?id=1119260
Die Rolle des privaten Sektors in China
ist Gegenstand eines OECD-Berichts von Mitte September 2005. Der Bericht skizziert verschiedene Ansätze, deren Ergebnis im wesentlichen darauf hinausläuft, dass der privatkapitalistische Sektor in der chinesischen Wirtschaft mittlerweile bei weitem dominiert. Eine Reihe tabellarischer Zusammenstellungen quantifiziert die spektakuläre Entwicklung.
Milliardaere
Die Financial Times widmet sich in einer neuen Übersicht ihrer Wochenendbeilage „Arts & Weekend“ vom 8./9. Oktober 2005 wieder einmal der beliebten Gruppe der 25 Top-Milliardäre: „Millionaires are definitely out; billionaires are in.“ Milliardäre sind vorwiegend amerikanisch, verheiratet und haben zwei Kinder. Sie haben gemeinsam runde 320 Milliarden Dollar zusammengeheckt.
An der Spitze der FT-Liste stehen vier dotcom-Unternehmen. Die Zahl der Europäer nimmt zu und es sind Männer. Sie nach Ansicht der Autoren ebenso gestresst wie andere Menschen auch. Sie haben Probleme wie wir alle – zum Beispiel Bill Gates, der sich wütend darüber ausließ, immerhin von der Regierung China`s „gevögelt“ (fucked) worden zu sein, was Microsoft eben dementierte; die Gewohnheiten weiterer Milliardäre wie Murdoch, Buffett oder Kamprad (Ikea-Gründer), Carlos Slim (Mexico), George Soros, die Googles Brin & Page, Yahoo-Filo, eBay-Jeff Skoll oder Amazon-Jeff Bezos werden kursorisch behandelt. Auch das Image von den Luxusrussen wird von der FT bedient. Oder des alten Reichtums am Beispiel von Thurn und Taxis. Nur noch 37 der 400 reichsten Amerikaner haben ihr Vermögen geerbt, wie die neueste Forbes-Liste vermerkt; in den 1980ern waren es noch rund die Hälfte. Die Zahl der toughen boys, so suggeriert darauf die FT, welche in das Vom-Tellerwäscher-Zum-Millionär-Modell passen, nimmt zu – und diese Gruppe agiert überdurchschnittlich im Finanzwesen.. Sie haben auch ein Herz und spenden, wie Bill Gates, der 95 % seines Reichtums nicht Kindern vererben sondern für philantropische Zwecke abgeben wolle.
Und FT gibt noch einen Lesetipp: Stephen Haseler: The Super-Rich: The Unjust New World of Global Capitalism (2000).