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	<title>www.who-owns-the-world.org &#187; Armut</title>
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	<description>Privatization, Public Goods, Regulation</description>
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		<title>WM &#252;berdeckt forciertes Verarmungsprogramm</title>
		<link>http://www.who-owns-the-world.org/2010/07/05/wm-verarmungsprogramm/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 06:01:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus Euskirchen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Editor's Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit/Soziales]]></category>
		<category><![CDATA[Reichtumsverteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
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		<description><![CDATA[Am 12. Juni 2010 fanden in Berlin und Stuttgart zwei parallele Gro&#223;demonstrationen gegen die Krisenpolitik der Bundesregierung statt. &#8220;Wir zahlen nicht f&#252;r eure Krise!&#8221; lautete das Motto der Demos, die von einem breiten B&#252;ndnis aus Initiativen, Gewerkschaften und Parteien organisiert worden waren. Jetzt l&#228;uft die WM und angesichts des ach so tollen Mannschaftsspiels der DFB-Auswahl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 12. Juni 2010 fanden in Berlin und Stuttgart <a href="http://de.indymedia.org/2010/06/284795.shtml" target="_blank">zwei parallele Gro&#223;demonstrationen</a> gegen die Krisenpolitik der Bundesregierung statt. &#8220;Wir zahlen nicht f&#252;r eure Krise!&#8221; lautete das Motto der Demos, die von einem breiten B&#252;ndnis aus Initiativen, Gewerkschaften und Parteien organisiert worden waren. Jetzt l&#228;uft die WM und angesichts des ach so tollen Mannschaftsspiels der DFB-Auswahl ger&#228;t das Verarmungsprogramm der schwarz-gelben Regierung ganz aus dem Blick. Zuerst wurde das <a href="http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/wohngeld-soll-um-40-prozent-gekuerzt-werden-0543.php" target="_blank">Wohngeld gek&#252;rzt</a> &#8211; von 800 auf 491 Millionen Euro. Noch nie zuvor in der BRD-Geschichte hat es eine 40%ige K&#252;rzung eines Sozialpostens mit einem Schlag gegeben. Dann wurde den <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/gesetzliche-krankenkassen-koalition-will-beitraege-erhoehen-1579214.html" target="_blank">Krankenkassen der Betrag verdoppelt</a>, den die Mitglieder zahlen m&#252;ssen (und nicht etwa zumindest parit&#228;tisch auch die Arbeitgeber), falls sie Miese machen. Bisher sind Defizite der Krankenkassen mit Steuergeldern ausgeglichen worden. Am Mittwoch steht die deutsche Mannschaft im Halbfinale. Mal sehen was in dieser Woche so durchgezogen wird. Aber Hauptsache &#8220;Wir&#8221; werden Weltmeister.</p>
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		<title>Privatisierung im Wassersektor: Zehn Mythen</title>
		<link>http://www.who-owns-the-world.org/2010/03/17/zehn-wasser-mythen/</link>
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		<pubDate>Wed, 17 Mar 2010 07:31:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus Euskirchen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wasser]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentliche Dienste]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;&#214;ffentliche Versorgungsunternehmen sind ineffizient, korrupt und nicht reformierbar&#8221;
Es gibt keine empirischen Beweise, dass private Wasserversorger per se besser, kosteng&#252;nstiger oder effizienter sind als &#246;ffentliche Unternehmen. Auch in Entwicklungsl&#228;ndern gibt es viele Beispiele f&#252;r erfolgreiche Betriebe beziehungsweise f&#252;r eine Sanierung kommunaler Betriebe ohne eine Beteiligung privater Unternehmer.

&#8220;Es geht nicht um Privatisierung, sondern um Beteiligung privater Unternehmen&#8221;
Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8220;&#214;ffentliche Versorgungsunternehmen sind ineffizient, korrupt und nicht reformierbar&#8221;</strong><br />
Es gibt keine empirischen Beweise, dass private Wasserversorger per se besser, kosteng&#252;nstiger oder effizienter sind als &#246;ffentliche Unternehmen. Auch in Entwicklungsl&#228;ndern gibt es viele Beispiele f&#252;r erfolgreiche Betriebe beziehungsweise f&#252;r eine Sanierung kommunaler Betriebe ohne eine Beteiligung privater Unternehmer.<br />
<span id="more-2597"></span><br />
<strong>&#8220;Es geht nicht um Privatisierung, sondern um Beteiligung privater Unternehmen&#8221;</strong><br />
Das ist in den meisten Fallen richtig. Und &#8220;Beteiligung&#8221; klingt besser. Aber privat ist nicht gleich privat. Die beteiligten Unternehmen sind in vielen Fallen kapitalkr&#228;ftige, m&#228;chtige, international operierende Multi-Utility-Konzerne. Einheimische private Unternehmen spielen meist nur eine untergeordnete Rolle.</p>
<p><strong>&#8220;Die Privatisierung bringt zus&#228;tzliche Investitionen&#8221;</strong><br />
Die Finanztransaktionen der TNCs sind so undurchsichtig, dass diese Behauptung schwer zu belegen ist. Eindeutig ist dagegen, dass nach wie vor der gr&#246;&#223;ere Teil der Investitionen in vielen Projekten, an denen transnationale Konzerne beteiligt sind, aus &#246;ffentlichen Quellen (Weltbank, KfW, Regierungen) stammen.</p>
<p><strong>&#8220;Die Privatisierung bringt Technologie und Know-how&#8221;</strong><br />
Die meisten TNCs sind eher an High-Tech-Konzepten, Bauauftr&#228;gen und standardisierten L&#246;sungen interessiert, da hier die Gewinnm&#246;glichkeiten am gr&#246;&#223;ten sind. Notwendig sind dagegen einfache, kosteng&#252;nstige und auf die lokalen Gegebenheiten abgestellte L&#246;sungen. F&#252;r ihre Umsetzung und Instandhaltung sind in vielen F&#228;llen Basisgruppen, Nichtregierungsorganisationen, Nutzergruppen und kommunale Betriebe geeigneter als gewinnorientierte Unternehmen.</p>
<p><strong>&#8220;Markt und Konkurrenz helfen den Entwicklungsl&#228;ndern und bringen effizientere L&#246;sungen&#8221;</strong><br />
Im Wassersektor ist die Konkurrenz sehr eingeschr&#228;nkt, das Versorgungsunternehmen hat in der Regel ein Monopol. Und auf dem Weltmarkt herrscht ein Oligopol von wenigen transnationalen Konzernen, die Regierungen und Stadtverwaltungen weitgehend die Vertragsbedingungen diktieren k&#246;nnen.</p>
<p><strong>&#8220;Um die Versorgung sieherzustellen, sind j&#228;hrlich 60 Milliarden US-Dollar zus&#228;tzlich notwendig&#8221;</strong><br />
Dieser Investitionsbedarf basiert auf den L&#246;sungskonzepten der Konzerne, ihren Kostenkalkulationen und Gewinnerwartungen. F&#252;r eine Versorgung der &#8220;Problemgebiete&#8221; und unzureichend versorgter Bev&#246;lkerungsgruppen sind dagegen einfache, angepasste und damit erheblich kosteng&#252;nstigere L&#246;sungen notwendig &#8211; und vielfach auch vorhanden.</p>
<p><strong>&#8220;Die Armen profitieren von einer Beteiligung privater Unternehmen&#8221;</strong><br />
Der Beitrag zu einer besseren Versorgung armer Bev&#246;lkerungsgruppen ist gering, da sie nicht gewinnbringend ist. F&#252;r ihre Versorgung bleiben die Armen auch weiterhin auf Selbsthilfegruppen, Gemeinden und Entwicklungsorganisationen angewiesen.</p>
<p><strong>&#8220;Kostendeckende Preise sind m&#246;glich&#8221;</strong><br />
Ja, aber nur, wenn sie entweder subventioniert werden &#8211; was die Weltbank ablehnt &#8211; oder so hoch sind, dass die Armen sie nicht bezahlen k&#246;nnen.</p>
<p><strong>&#8220;Die beteiligten Unternehmen werden durch Regierung, Regulierungsbeh&#246;rden und Gemeinden kontrolliert und reguliert&#8221;</strong><br />
In den meisten Fallen ist das Macht- und Informationsgef&#228;lle so gro&#223;, dass Regulierung und Kontrolle kaum m&#246;glich sind. Der Aufbau wirksamer Regulierungsbeh&#246;rden ist gerade im Wassersektor der Entwicklungsl&#228;nder zudem sehr schwierig und aufwendig.</p>
<p><strong>&#8220;Es gibt keine Alternative&#8221;</strong><br />
Das k&#246;nnte zu einer Behauptung, die sich selbst erf&#252;llt, werden. Denn da ein Gro&#223;teil der &#246;ffentlichen Ressourcen von Entwicklungsorganisationen, Regierungen und multilateralen Finanzinstitutionen f&#252;r die F&#246;rderung der Privatisierung verwendet werden, werden die Mittel knapp, um die bestehenden Alternativen wie kommunale Versorgungsbetriebe oder lokale, angepasste L&#246;sungen zu unterst&#252;tzen und zu st&#228;rken.</p>
<p><a href='http://wgdw.minuskel.de/wp-content/uploads/2010/03/Privatisierung_Mythen.pdf'>10 Wasserprivatisierungs-Mythen downloaden als PDF</a></p>
<p><strong>Literaturhinweis:</strong><br />
Privatisierung im Wassersektor. Entwicklungshilfe f&#252;r internationale Wasserkonzerne &#8211; L&#246;sung der globalen Wasserkrise? <em>von Uwe Hoering</em><br />
Herausgegeben von Weltwirtschaft, &#214;kologie &amp; Entwicklung e.v. (WEED)<br />
Internet: <a href="http://www.weedbonn.org" target="_blank">http://www.weedbonn.org</a></p>
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		<title>Der Aufstand der Armen!</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 06:20:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus Euskirchen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Akteure]]></category>
		<category><![CDATA[Debatten: Theorien/Alternativen]]></category>
		<category><![CDATA[Editor's Choice]]></category>
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		<category><![CDATA[Krise]]></category>
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		<description><![CDATA[Warum erreichen soziale Bewegungen ihre Ziele manchmal und warum manchmal nicht? Wann erreichen sie mit welchen Mitteln welche Ziele? Wie k&#246;nnen soziale Bewegungen im Kapitalismus &#252;ber Anpassungen und Regulation hinaus ernsthafte systemische Ver&#228;nderungen bewirken? Und inwiefern lassen sich auf der Basis bewegungsgeschichtlicher Beispiele systematische Aussagen zu diesen und weiteren Fragen treffen? Darum geht es in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/912ca3d607a744b89007b55a45e0c5dc" alt="" width="1" height="1" /><a href="http://wgdw.minuskel.de/wp-content/uploads/2010/01/Piven-Cloward_Aufstand_der_Armen.pdf"><img class="alignleft" title="aufstand-der-armen" src="http://wgdw.minuskel.de/wp-content/uploads/2010/01/aufstand-der-armen.png" alt="aufstand-der-armen" width="200" /></a>Warum erreichen soziale Bewegungen ihre Ziele manchmal und warum manchmal nicht? Wann erreichen sie mit welchen Mitteln welche Ziele? Wie k&#246;nnen soziale Bewegungen im Kapitalismus &#252;ber Anpassungen und Regulation hinaus ernsthafte systemische Ver&#228;nderungen bewirken? Und inwiefern lassen sich auf der Basis bewegungsgeschichtlicher Beispiele systematische Aussagen zu diesen und weiteren Fragen treffen? Darum geht es in dem 1977 in den USA und erst 1986 in deutscher Sprache erschienenen Buch der beiden Soziologen <a title="Richard Cloward" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Richard_Cloward">Richard Cloward</a> und <a title="Frances Fox Piven" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Frances_Fox_Piven">Frances Fox Piven</a> <a href="http://wgdw.minuskel.de/wp-content/uploads/2010/01/Piven-Cloward_Aufstand_der_Armen.pdf">&#8220;Aufstand der Armen&#8221;</a> (engl.: Poor People&#8217;s Movements).<br />
Das Buch erschien damals bei Suhrkamp mit einem ausf&#252;hrlichen Vorwort von Stephan Leibfried und Wolf-Dieter Narr mit dem Titel &#8220;Sozialer Protest und politische Form. Ein Pl&#228;doyer f&#252;r Unruhe, Unordnung und Protest&#8221;. Es ist derzeit so vergriffen, dass es nicht einmal in den Internet-Antiquariaten erh&#228;ltlich ist. Und Suhrkamp hat offensichtlich anderes zu tun als Bewegungs-Empowerment-Literatur neu aufzulegen. Daher gibt&#8217;s das Buch jetzt hier bis auf weiteres als <a href="http://wgdw.minuskel.de/wp-content/uploads/2010/01/Piven-Cloward_Aufstand_der_Armen.pdf">Volltext zum Download</a>.<br />
Wer erstmal eine interessante Buchbesprechung lesen will, der oder die sei auf die <a href="http://www.labournet.de/diskussion/geschichte/frings.html">Besprechung von Christian Frings</a> im Labournet verwiesen, die beinahe Einf&#252;hrungscharakter hat.<br />
Im der Monatzeitung &#8220;analyse&amp;kritik&#8221; konnte man vor einiger Zeit nachlesen, wie das scheinbar alte Buch sehr anregend sein kann auch f&#252;r ganz aktuelle bewegungsstrategische Debattenbeitr&#228;ge. Olaf Bernau von NoLager Bremen empfiehlt im ak Nr. 541 vom 21.8.2009 &#8220;Runter vom Beobachtungsturm&#8221; und bedient sich zur Untermauerung seiner Thesen sehr ausf&#252;hrlich bei Piven und Cloward. Er kommt zu dem Ergebnis, so der Untertitel: &#8220;Die bewegungsorientierte Linke ist auf etwaige Krisenproteste unver&#228;ndert schlecht vorbereitet&#8221;. <span id="more-2544"></span></p>
<p>Hier auch der volle Text dieses ak-Artikels, der <a href="http://www.akweb.de" target="_blank">dort auf der Homepage</a> leider nicht online ist:</p>
<blockquote><p>Geht es um praktische Kriseninterventionen, ist ein gewisser Hang zum Abstinenzlerischen un&#252;bersehbar: Im Zentrum der Debatte stehen gemeinhin programmatische und b&#252;ndnistaktische Erw&#228;gungen. Demgegen&#252;ber spielt die Frage, unter welchen Bedingungen es &#252;berhaupt zu Widerst&#228;ndigkeiten bzw. sozialen K&#228;mpfen kommt, eine eher marginale Rolle. Es ist also kaum verwunderlich, dass die allenthalben artikulierte Forderung nach lokalen Krisenb&#252;ndnissen immer wieder im blo&#223;en Appell stecken bleibt: Nicht zuletzt die konkrete Bestimmung, wie sich soziale Bewegungen in betriebliche und andere Auseinandersetzungen einbringen k&#246;nnten, wird h&#228;ufig nur am Rande gestreift.</p>
<p>Exemplarisch l&#228;sst sich dies anhand dreier Debattenbeitr&#228;ge aus der<br />
j&#252;ngeren Zeit verdeutlichen: Unter dem Titel „Agenda 2009: Menschen<br />
statt Profite“ haben im Anschluss an die Krisendemonstrationen am 28.<br />
M&#228;rz diverse (in unterschiedlichen Organisationen und B&#252;ndnissen aktive)<br />
Einzelpersonen sowie die Gruppe soziale K&#228;mpfe den Versuch einer<br />
strategischen Standortbestimmung unternommen (ak 539). Gro&#223;e Teile des<br />
Papieres besch&#228;ftigen sich mit der Analyse des herrschenden<br />
Krisenmanagements sowie der Formulierung programmatischer<br />
Gegenperspektiven. Wie indessen die ins Auge gefasste<br />
„Widerstandsagenda“ realisiert werden soll – inklusive politischem<br />
Streik, ja Generalstreik &#8211; bleibt ungekl&#228;rt. Gewiss, am Ende des<br />
Beitrages werden stichwortartig Termin- und Aktionsvorschl&#228;ge<br />
unterbreitet, dennoch fehlt eine wie auch immer vorl&#228;ufige Analyse<br />
aktueller Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse, also auch eine Auseinandersetzung mit den<br />
Konsequenzen jener zahlreichen Niederlagen, welche nicht nur das globale<br />
Proletariat, sondern auch soziale Bewegungen in den letzten zwei bis<br />
drei Jahrzehnten erlitten haben. Hintergrund dieses Mankos d&#252;rfte die<br />
mittlerweile hinreichend ersch&#252;tterte Annahme sein, wonach die Finanz-<br />
bzw. Wirtschaftskrise zugleich eine grundlegende Legitimit&#228;tskrise des<br />
Kapitalismus hervorgebracht und somit quasi automatisch (sic) ein<br />
Fensterchen f&#252;r emanzipatorische Politiken ge&#246;ffnet habe. Ganz &#228;hnlich<br />
verh&#228;lt es sich mit dem Diskussionsbeitrag „Wie weiter nach dem 28.<br />
M&#228;rz?“, den Angela Klein f&#252;r die Aktionskonferenz in Kassel am 27./28.<br />
Juni verfasst hat: Sie spricht zwar von „Ohnmacht und Angst“, welche<br />
sich in der Bev&#246;lkerung ausbreiten w&#252;rden, fr&#246;nt dann allerdings einem<br />
fast schon frivol anmutenden Krisenoptimismus: „Gleichzeitig – und das<br />
ist kein Widerspruch – weist die Stimmungslage eine Tendenz zur<br />
Radikalisierung auf; es geht die Rede vom Generalstreik; es gibt erste,<br />
wenn auch kurzzeitige Betriebsbesetzungen; es gibt an verschiedenen<br />
Orten K&#228;mpfe, die den Willen ausdr&#252;cken, trotz Krise den eigenen<br />
Lebensstandard zu behaupten.“ Kurzum: Auch bei Angela Klein sind keine<br />
Antworten auf die Frage zu finden, wie soziale K&#228;mpfe – ob mit oder ohne<br />
linke Beteiligung – zu ihrer vormaligen St&#228;rke zur&#252;ckfinden k&#246;nnten.<br />
Denn auch sie scheint, Krise und Widerst&#228;ndigkeit umstandslos<br />
kurzzuschlie&#223;en – ohne systematische Analyse jener Bedingungen, die<br />
gegeben sein m&#252;ssen, damit Proteste &#252;berhaupt zustandekommen und eine<br />
ernsthafte, in der Breite verankerte Eigendynamik entfalten k&#246;nnen.<br />
Schlie&#223;lich Thomas Seibert: In seinem Beitrag „Die Unbestimmtheit<br />
nutzen, dem Ereignis auflauern“ (ak 540) l&#228;sst er die von ihm vage am<br />
Horizont ersp&#228;hten sozialen Unruhen zum blo&#223;en „Ereignis“<br />
zusammenschnurren. Entsprechend kreisen seine &#220;berlegungen in erster<br />
Linie um die organisierte Linke, also jenes Spektrum zwischen<br />
Linkspartei, linken GewerkschafterInnen, attac und radikaler Linke.<br />
Vieles davon ist grundlegend, insbesondere die von Thomas Seibert schon<br />
seit l&#228;ngerem propagierte Devise, dass Kooperation in B&#252;ndnissen die<br />
prinzipielle Bereitschaft voraussetze, den jeweiligen<br />
B&#252;ndnispartnerInnen ihre Eigenst&#228;ndigkeit zu belassen. Allein: Eine<br />
„Strategie- und Organisationsdebatte“ &#8211; wie sie Thomas Seibert<br />
vorschl&#228;gt &#8211; l&#228;sst Entscheidendes au&#223;en vor, wenn sie den Graben<br />
zwischen organisierter Linker und &#8216;durchschnittlicher&#8217; Bev&#246;lkerung zu<br />
gro&#223; werden l&#228;sst und wenn sie obendrein nicht darzulegen vermag, wie<br />
die organisierte Linke ohne (krypto-)leninistische All&#252;ren in<br />
betrieblichen und anderen Konflikten aktiv werden k&#246;nnte.</p>
<p>Protest und offensiver Widerstand sind keine Selbstl&#228;ufer, sie k&#246;nnen<br />
nicht kurzerhand aus objektiven Makro-Daten wie massenhaften<br />
Betriebsschlie&#223;ungen oder Reallohnverlusten abgeleitet werden. Wer so<br />
argumentiert, projiziert eigene Gerechtigkeitsvorstellungen in den<br />
gesellschaftlichen Raum, und das mit der Konsequenz, dass unerkl&#228;rlich<br />
wird, weshalb konflikthafte, ja militante Kampfzyklen immer wieder von<br />
defensiven, zeitlich oft lange andauernden Phasen unterbrochen werden,<br />
in denen soziale K&#228;mpfe merklich zur&#252;ckgehen bzw. ihren Charakter &#228;ndern<br />
und allenfalls unter der Oberfl&#228;che – meist als individuelle<br />
&#220;berlebensstrategien – weiterbrodeln. Vor diesem Hintergrund liegt es<br />
nahe, zun&#228;chst einmal der Frage nachzugehen, unter welchen<br />
Voraussetzungen es in Schwellen- und Industriel&#228;ndern seitens der<br />
subalternen – politisch nicht weitergehend organisierten – Klassen<br />
&#252;berhaupt zu offensiven Widerst&#228;ndigkeiten kommt. Das ist einerseits<br />
schwierig, da jeder Streik oder Konflikt eine hochgradig individuelle<br />
Angelegenheit darstellt &#8211; insofern ist die etwaige Reichweite bzw.<br />
Plausibilit&#228;t der hier zusammengetragenen &#8216;Faktoren&#8217; von Fall zu Fall<br />
neu zu bewerten. Andererseits blickt die gesellschaftliche Linke im Feld<br />
sozialer (Klassen-)K&#228;mpfe auf eine derart lange und durchaus<br />
erfolgreiche Geschichte zur&#252;ck, dass es geradezu str&#228;flich w&#228;re, die<br />
darin schlummernden Einsichten nicht f&#252;r aktuelle K&#228;mpfe fruchtbar zu<br />
machen. (1)</p>
<p>a) Existentieller Druck &amp; kollabierende Routinen: In ihrem Klassiker „Aufstand der Armen“ (original: 1977) entwerfen die US-TheoretikerInnen Frances Piven und Richard Cloward eine Art Drehbuch sozialer K&#228;mpfe – expliziert anhand der US-amerikanischen Arbeitslosen- und ArbeiterInnenbewegungen in den 1930er Jahren sowie der schwarzen B&#252;rgerrechtsbewegung und der ebenfalls &#252;berwiegend schwarzen Bewegung der Wohlfahrtsempf&#228;ngerInnen seit den 1950er Jahren. Ausgangspunkt ihrer &#220;berlegungen ist ein zweifacher: Einerseits st&#252;nde am Anfang jeder gr&#246;&#223;eren Protestwelle existentieller Druck, beispielsweise durch pl&#246;tzliche Not oder entt&#228;uschte Erwartungen. Andererseits bed&#252;rfe es des Zusammenbruchs der regulativen Kr&#228;fte einer Gesellschaft – quasi als Voraussetzung daf&#252;r, dass die Betroffenen &#252;berhaupt auf die Barrikaden gingen. Konkreter: Sozio&#246;konomische Einbr&#252;che fielen bisweilen derart einschneidend aus, dass die herk&#246;mmlichen Strukturen und Abl&#228;ufe des Alltagslebens und somit auch die loyale Anbindung der Menschen an die herrschende Sozialordnung kollabieren w&#252;rden. Tiefensch&#228;rfe gewinnt dieses Szenario freilich erst, wenn der nebul&#246;s anmutende Terminus des<br />
„existentiellen Drucks“ konkretisiert wird. Denn die diesbez&#252;gliche<br />
Bandbreite ist – wie bereits angedeutet – betr&#228;chtlich, auch wenn<br />
umgekehrt nie aus dem Blick geraten sollte, dass sich die<br />
unterschiedlichen Dimensionen oftmals erg&#228;nzen bzw. &#252;berlappen:</p>
<p>Erstens: Historisch am relevantesten d&#252;rfte – jedenfalls bis zum Zweiten<br />
Weltkrieg – die Erfahrung pl&#246;tzlicher sozialer Deklassierung gewesen<br />
sein. Was das konkret hei&#223;t, ist heutzutage immer dann zu erleben, wenn<br />
mehr oder weniger unerwartet Massenentlassungen bzw.<br />
Betriebsschlie&#223;ungen bekannt gegeben werden. So haben entsprechende<br />
Entscheidungen – um nur drei Beispiele zu nennen – 2004 bei Opel in<br />
Bochum, 2005 im AEG-Werk in N&#252;rnberg und 2007 bei Bike-Systems in<br />
Nordhausen jeweils spontan wilde Streiks bzw. de<br />
facto-Betriebsbesetzungen nach sich gezogen. Noch dramatischer ist die<br />
Situation, wenn ganze Branchen abgewickelt werden sollen: Erinnert sei<br />
nur an den einj&#228;hrigen – streckenweise b&#252;rgerkriegsartigen –<br />
Bergarbeiterstreik 1984/85 in Gro&#223;britannien, welcher jedoch den<br />
tats&#228;chlich erfolgten Abbau von 580.000 Arbeitspl&#228;tzen im Bergbau nicht<br />
aufzuhalten vermochte. Am nachhaltigsten hat sich – das ist in der<br />
aktuellen Krisenberichterstattung einmal mehr deutlich geworden – die<br />
Weltwirtschaftskrise in den fr&#252;hen 1930er Jahren ins kollektive<br />
Ged&#228;chtnis eingebrannt: 1933 sind zum Beispiel in den USA ein Drittel<br />
der Erwerbsbev&#246;lkerung arbeitslos gewesen, zugleich ist das gesamte<br />
Lohneinkommen zwischen 1929 und 1933 von 51 auf 26 Milliarden gesunken.<br />
Umgekehrt ist dies, so Frances Piven und Richard Cloward, zwischen 1933<br />
und 1937 mit einer f&#252;r US-Verh&#228;ltnisse ebenso unbekannten wie<br />
erfolgreichen Massenmilitanz gr&#246;&#223;erer Teile der ArbeiterInnen-Bewegung<br />
einhergegangen.</p>
<p>Zweitens: Eine v&#246;llig anders gelagerte Dynamik ist das Ph&#228;nomen<br />
entt&#228;uschter Erwartungen – auch bekannt als &#8216;relative Deprivation&#8217;:<br />
H&#228;ufig zitiertes Beispiel sind die jungen, aus dem agrarisch gepr&#228;gten<br />
S&#252;ditalien in die norditalienischen Industriezentren migrierten<br />
MassenarbeiterInnen, welche seit den fr&#252;hen 1960er Jahren vor allem<br />
deshalb auf den Putz gehauen haben, weil ihre urspr&#252;nglichen<br />
Aufstiegserwartungen in nahezu jedweder Hinsicht nicht aufgegangen sind.<br />
Ganz &#228;hnlich in Deutschland: Allein im August 1973 legten 80.000<br />
MetallarbeiterInnen in wilden Streiks ihre Arbeit nieder. Ihnen waren<br />
die seitens der IG Metall ausgehandelten Lohnerh&#246;hungen von 8,5 Prozent<br />
schlicht zu niedrig – jedenfalls im Lichte der damaligen Teuerungsrate.<br />
Sp&#228;testens vor diesem Hintergrund d&#252;rfte deutlich werden, dass Routinen<br />
und Loyalit&#228;ten nicht nur in der Krise, sondern auch im Zuge offensiver<br />
Streikzyklen kollabieren bzw. ihre Ausrichtung &#228;ndern k&#246;nnen.</p>
<p>Drittens, zur&#252;ck nach Italien: Die Kritik der MassenarbeiterInnen<br />
richtete sich nicht zuletzt gegen das despotische Fabrikregime – ein<br />
Umstand, welcher sich im Laufe der 1960er Jahre bei vielen von ihnen zu<br />
einer grunds&#228;tzlichen Kritik kapitalistischer Lohnarbeit zugespitzten<br />
sollte. Wichtig ist jener Umstand insofern, als hohe<br />
Bandgeschwindigkeiten, schlechter Gesundheitsschutz, verweigerte<br />
Mitbestimmung etc schon lange wichtige Ausl&#246;ser defensiver wie<br />
offensiver Arbeitsk&#228;mpfe darstellen: So streikten die ArbeiterInnen in<br />
den USA Anfang der 1930er Jahre zun&#228;chst einmal f&#252;r das Recht, &#252;berhaupt<br />
betriebliche Vertretungsstukturen bilden und offiziell mit den<br />
Unternehmen (Tarif-)Verhandlungen f&#252;hren zu k&#246;nnen; in den 1960er Jahren<br />
setzten sich FordarbeiterInnen in K&#246;ln f&#252;r eine st&#252;ndliche Band- bzw.<br />
Akkordpause ein; und der Besetzung der ber&#252;hmten Kachelfabrik Zanon 2001<br />
in Argentinien ist – gleichsam als erste gemeinsame Kraftprobe – ein<br />
9-t&#228;giger Streik f&#252;r besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz im M&#228;rz<br />
2000 vorausgegangen.</p>
<p>Viertens: Der Kampf um die eigene W&#252;rde ist ein Bewegggrund, welcher in<br />
vielen Auseinandersetzungen eine mehr oder weniger tragende Rolle spielt<br />
- darauf hat auch der Betriebsratschef von New-Fabris unmissverst&#228;ndlich<br />
aufmerksam gemacht, jener Autozuliefererfirma in Frankreich, auf der<br />
streikende Arbeiter mehrere Wochen lang explosive Gasflaschen deponiert<br />
hatten: „Wir stehen vor dem Elend (…). Wir sollten uns nicht wegwerfen<br />
lassen wir Dreck. Wir m&#252;ssen gegen all diese Entlassungen in Frankreich<br />
und in anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern k&#228;mpfen.“</p>
<p>b) Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte: Das Moment der W&#252;rde<br />
verweist auf einen elementaren Sachverhalt: Der Druck mag noch so gro&#223;<br />
sein, zu Widerst&#228;ndigkeit und Protest kommt es erst, wenn die<br />
diesbez&#252;glichen Erfahrungen als ungerecht interpretiert bzw. empfunden<br />
werden. Das aber ist keineswegs selbstverst&#228;ndlich, sind doch die<br />
gesellschaftlichen Akteure – bei aller Bereitschaft zur Rebellion &#8211; den<br />
herrschenden Verh&#228;ltnissen zun&#228;chst einmal in habitueller, d.h.<br />
kognitiver, normativer und affektiver Hinsicht mehr oder weniger<br />
weitgehend verpflichtet. Es ist insofern kaum verwunderlich, dass dieser<br />
ebenso simple wie grundlegende Sachverhalt linke TheoretikerInnen schon<br />
immer besch&#228;ftigt hat – wichtige Schlagworte lauten etwa: &#8216;Ideologie als<br />
notwendig falsches Bewusstsein&#8217; (Marx/Engels), &#8216;verdinglichtes<br />
Bewusstsein&#8217; (Lukácz), &#8216;autorit&#228;rer Charakter&#8217; (Adorno), &#8216;spontaner<br />
Konsens, Alltagsverstand und kulturelle Hegemonie&#8217; (Gramsci), &#8216;sense of<br />
one&#8217;s own place&#8217; (Bourdieu) etc. Kurzum: Wer auf Krisenproteste setzt,<br />
sollte nicht nur Bankenzusammenbr&#252;che und Exportdaten in Augenschein<br />
nehmen, sondern auch die „moralische Grammatik sozialer Konflikte“ (Axel<br />
Honneth). Denn s&#228;mtliche Erfahrungen zeigen, dass derartige (sowohl<br />
pers&#246;nlich als auch kollektiv zu realisierende) Prozesse praktischer<br />
Dissidenz ein schwerf&#228;lliges und langwieriges – auf jeden Fall kein<br />
automatisches – Unterfangen sind: In den USA hat es, wie gesagt, 3 bis 5<br />
Jahre gebraucht, bis sich die ArbeiterInnen gegen die Folgen der<br />
Weltwirtschaftskrise massenhaft zur Wehr gesetzt haben. Genausowenig<br />
sind in Italien und Deutschland der „hei&#223;e Herbst“ bzw. die<br />
„Septemberstreiks“ im Jahr 1969 vom Himmel gefallen. Vorausgegangen<br />
waren vielmehr – als eine Art Inkubationszeit – die f&#228;lschlicherweise<br />
oft als streikarm bezeichneten 1960er Jahre: In einer Vielzahl wilder,<br />
oftmals lokal verankerter sowie mehr oder weniger diskret durchgezogener<br />
Streiks und Auseinandersetzungen konnten immer wieder Erfahrungen in<br />
kollektiver Selbstorganisierung, konfrontativer Selbstbehauptung,<br />
externer Solidarit&#228;t etc. gesammelt werden – inklusive der schrittweisen<br />
Aneignung subversiver bzw. kritischer Denk- und Wahrnehmungsmuster, auf<br />
deren Basis dissidente Wirklichkeitsinterpretationen &#252;berhaupt erst<br />
m&#246;glich wurden (nebst &#220;berwindung von Angst, Scham und Konformismus).</p>
<p>c) Organisierung &amp; Unberechenbarkeit: Ohne organisierte Kerne, welche<br />
die Initiative ergreifen, ist sozialer Aufruhr undenkbar. In<br />
betrieblichen Auseinandersetzungen sind dies gemeinhin – insbesondere<br />
bei wilden Streiks, Betriebsbesetzungen oder konspirativ eingef&#228;delten<br />
Warnstreiks – basisorientierte Betriebsgruppen, linke VertreterInnen des<br />
gewerkschaftlichen Vertrauensk&#246;rpers oder parteipolitsch gebundene<br />
Kader. Es gibt aber auch Ausnahmen: Bei Gate Gourmet haben sich bereits<br />
2003 – also &#252;ber zwei Jahre vor dem Streik – mehrere, nur zum Teil<br />
politisch erfahrene ArbeiterInnen als konspirativ agierende<br />
Widerstandszelle zusammengetan: Einerseits um den unternehmensh&#246;rigen<br />
Betriebsratschef abzus&#228;gen, was tats&#228;chlich gelungen ist, andererseits<br />
um die einst &#228;u&#223;erst stark mit dem Unternehmen identifizierte<br />
Belegschaft auf die Notwendigkeit eines Streiks einzustimmen (seitdem es<br />
im Zuge eines Besitzerwechsels zu krasser Verdichtung der<br />
Arbeitsabl&#228;ufe, v&#246;lliger Flexibilisierung der Arbeitszeiten und<br />
absichtsvoller Schikanierung, ja Entw&#252;rdigung der ArbeiterInnen gekommen<br />
war). Es ist daher auch folgerichtig gewesen, dass jenes U-Boot den<br />
ganzen 6-monatigen Streik &#252;ber als informelle Streikleitung und somit<br />
Gegengewicht zur Gewerkschaft fungiert hat. Und doch: Selbst wenn<br />
s&#228;mtliche Zeichen auf Streik bzw. Aufruhr stehen – im Sinne des bislang<br />
Dargelegten –, es gibt keinerlei Garantie, dass dies am Ende auch<br />
tats&#228;chlich geschieht. Oder mit Rosa Luxemburg: Es ist „&#228;u&#223;erst schwer,<br />
vorauszusehen und zu berechnen, welcher Anlass und welche Momente zu<br />
Explosionen f&#252;hren k&#246;nnen und welche nicht (…). Die Revolution ist (…)<br />
nicht ein Man&#246;ver des Proletariats im freien Felde, sondern sie ist ein<br />
Kampf mitten im unaufh&#246;rlichen Krachen, Zerbr&#246;ckeln, Verschieben aller<br />
sozialen Fundamente.“</p>
<p>d) Erfolgsbedingungen sozialer K&#228;mpfe: Ob soziale K&#228;mpfe erfolgreich<br />
verlaufen, h&#228;ngt – je nach Situation – von ganz verschiedenen Faktoren<br />
ab. Zwei von ihnen seien erw&#228;hnt – einmal mehr unter selektivem<br />
R&#252;ckgriff auf Frances Piven und Richard Cloward: Erstens: Historisch<br />
waren es insbesondere militante bzw. offensive Massenaktionen, welche<br />
den &#246;konomischen und politischen Eliten substantielle Zugest&#228;ndnisse<br />
abgerungen haben – jedenfalls insoweit es gelungen ist, dem eigenen<br />
Anliegen in der &#214;ffentlichkeit Legitimit&#228;t zu verleihen und somit die<br />
politischen Entscheidungstr&#228;ger fr&#252;her oder sp&#228;ter unter massiven<br />
Interventionsdruck zu setzen. Auf diesen Doppel-Mechanismus weist auch<br />
Rainer Thomann in einer j&#252;ngst erschienenen Studie zu<br />
„Betriebsbesetzungen als wirksame Waffe im gewerkschaftlichen Kampf“<br />
hin: Hinsichtlich eines im Jahr 2008 erfolgreich verlaufenen<br />
Arbeitskampfes in einem gro&#223;en Eisenbahn-Instandsetzungswerk in<br />
Bellinzona/Schweiz hei&#223;t es, dass es nur durch die entschlossene<br />
Betriebsbesetzung gelungen sei, einen Ort &#246;ffentlich wirksamer<br />
Gegenmacht zu etablieren &#8211; zuungusten der ansonsten &#252;blichen Aufnahme<br />
von Sozialplanverhandlungen, an deren Ende gleichsam per defintionem die<br />
Schlie&#223;ung des Betriebes st&#252;nde. Bemerkenswert ist diese Erfahrung<br />
insofern, als sie f&#252;r soziale Bewegungen hierzulande ein riesiges, bis<br />
heute nahezu brachliegendes Agitationsfeld er&#246;ffnet – einschlie&#223;lich<br />
glorreicher Ausnahmen wie z.B. die breite Unterst&#252;tzung des (verlorenen)<br />
Betriebskampfes bei AEG in N&#252;rnberg 2005/06. Zweitens: Nicht nur<br />
politisch, auch materiell und strategisch ist der Erfolg sozialer K&#228;mpfe<br />
ma&#223;geblich davon abh&#228;ngig, inwieweit externe Unterst&#252;tzung mobilisiert<br />
werden kann. Drei Beispiele: Der britische Bergarbeiterstreik ist zwar<br />
grandios gescheitert, m&#246;glich ist der einj&#228;hrige Arbeitskampf aber nur<br />
deshalb gewesen (vor dem Hintergrund nicht existierender Streikkassen in<br />
Gro&#223;britannien), dass insgesamt 65 Mio. Pfund in Gestalt von Sach-,<br />
Nahrungs- und Geldspenden akquiriert werden konnten; als die besetzte<br />
Kachelfabrik Zanon in Argentinien 2003 erstmalig ger&#228;umt werden sollte,<br />
wurde nicht nur zum provinzweiten Generalstreik aufgerufen, vielmehr<br />
hatten sich auch 5000 Menschen als Schutzschild vor der Fabrik<br />
eingefunden; auch die Abwicklung von Bike-Systems in Nordhausen konnte<br />
nicht verhindert werden, dennoch sollte nicht in Vergessenheit geraten,<br />
dass die einw&#246;chige Produktion von 1800 Strike-Bikes (welche sowohl f&#252;r<br />
die Besch&#228;ftigten, als auch f&#252;r die undomatische Linke eine &#228;u&#223;erst<br />
befl&#252;gelnde Erfahrung war) einzig durch reichhaltige Unterst&#252;tzung von<br />
&#8216;au&#223;en&#8217; m&#246;glich gemacht wurde.</p>
<p>Noch im Fr&#252;hjahr war allenthalben Krisenoptimismus en vogue – Slave<br />
Cubela sprach beispielsweise von der Krise als Treibhaus, ja von<br />
sozialen K&#228;mpfen als zu erwartenden „Treibhausbl&#252;ten“ (express 4/2009).<br />
Dahinter stand zum einen die Erwartung, dass durch gravierende<br />
Turbulenzen das „erstarrte soziale Wissen“ (Slave Cubela) erodieren<br />
w&#252;rde, etwa weil die Menschen durch abrupt in die H&#246;he schnellende<br />
Arbeitslosenzahlen realisieren k&#246;nnten, dass der Verlust des<br />
Arbeitsplatzes mitnichten selbstverschuldet sei. Zum anderen zirkulierte<br />
die Hoffnung, dass es durch die Globalit&#228;t der Krise zu einer<br />
teppichartigen Synchronit&#228;t der K&#228;mpfe und somit einem &#220;berschwappen des<br />
Aufruhrs in bis dato ruhige Gefilde k&#228;me. Und doch: Nicht nur der<br />
bisherige Krisenverlauf, auch etliche der hier skizzierten Erfahrungen<br />
mit sozialen K&#228;mpfen in der Vergangenheit sprechen daf&#252;r, mit Prognosen<br />
hinsichtlich aufkeimender &#8216;Krisenproteste&#8217; zuk&#252;nftig vorsichtiger zu<br />
hantieren – jedenfalls, was hiesige Verh&#228;ltnisse anbelangt:</p>
<p>a) Gewiss, die &#220;berakkumulationskrise als strukturelle Ursache der<br />
aktuellen Weltwirtschaftskrise besteht unver&#228;ndert fort. Dennoch f&#252;hrt<br />
kein Weg an der Einsicht vorbei, dass es den &#246;konomischen und<br />
politischen Eliten in ihrem bisherigen Krisenmanagement besser als<br />
erwartet gelungen ist, all zu intensive Ausschl&#228;ge nach unten zu<br />
vermeiden. Ob es also – im Sinne von Frances Piven und Richard Cloward –<br />
tats&#228;chlich zu kollabierenden Loyalit&#228;ten und Routinen (samt K&#228;mpfen)<br />
kommen wird, scheint derzeit keinesfalls ausgemacht. Und das auch<br />
deshalb, weil die nach der Bundestagswahl drohende Abw&#228;lzung der<br />
krisenbedingten Milliardenschulden auf die Allgemeinheit ihre fatalen<br />
Effekte nicht in einem gro&#223;en Showdown, sondern vielmehr scheibchenweise<br />
– das hei&#223;t auf Jahre gestreckt – entfalten d&#252;rfte.</p>
<p>b) Insbesondere in den Industriel&#228;ndern hat die ArbeiterInnenbewegung im<br />
Zuge der neoliberalen Globalisierung dramatische Niederlagen erlitten<br />
(vgl. ak 535). Das hat nicht nur objektiv ihre Kampfkraft geschw&#228;cht –<br />
exemplarisch erw&#228;hnt sei die umfassende Prekarisierung der<br />
Arbeitsverh&#228;ltnisse (samt Fragmentierung durch Leiharbeit,<br />
Teilzeitarbeit, Minijobs etc.). Auch in subjektiver Hinsicht haben die<br />
Niederlagen deutliche Spuren hinterlassen, nicht zuletzt durch den<br />
Verlust konkreter Organisations-, Kampf- und Machterfahrungen. Mehr<br />
noch: Zahlreiche Menschen sind regelrecht demoralisiert worden, etwa<br />
davon, dass es trotz Massenprotesten nicht gelungen ist, die Einf&#252;hrung<br />
von Hartz IV zu verhindern. Dieser Umstand spiegelt sich auch in einer<br />
von Gero Neugebauer f&#252;r die Friedrich-Ebert-Stiftung unter dem Titel<br />
„Politische Milieus in Deutschland“ erstellten Studie wider: Danach sei<br />
im „abgeh&#228;ngten Prekariat“ – also in jenen von der Krise (potentiell) am<br />
st&#228;rksten betroffenen Mileus – „das Politikinteresse sowie das<br />
politische Kommunikations- und Teilhabeverhalten unterdurchschnittlich“.<br />
Vieles spricht demnach daf&#252;r, dass es in n&#228;chster Zeit zu einem<br />
permanenten Auf- und Abflauen sozialer K&#228;mpfe kommen wird und erst im<br />
Schlepptau davon zu einer allm&#228;hlichen Herausbildung substantieller,<br />
breit verankerter Konfliktf&#228;higkeit – vergleichbar den Erfahrungen in<br />
den fr&#252;hen1930er Jahren in den USA sowie den 1960er Jahren in<br />
Westeuropa.</p>
<p>c) Ebenfalls problematisch ist, dass die Gewerkschaften bis heute nicht<br />
die notwendigen Konsequenzen aus den in der neoliberalen Globalisierung<br />
begr&#252;ndeten Erpressungspotentialen gezogen haben – Stichwort:<br />
Standortwettbewerb. Auf jeden Fall steht der Aufbau transnationaler<br />
Gewerkschaftsstrukturen weiterhin nicht oben auf der Agenda – ein Manko,<br />
worauf unter anderem der ver.di-Linke Werner Sauerborn unverdrossen<br />
aufmerksam macht (vgl. etwa: express 01/2009).</p>
<p>d) Schlie&#223;lich sollte nicht unterschlagen werden, dass auch die<br />
bewegungsorientierte Linke unver&#228;ndert schwach aufgestellt ist – der von<br />
manchen erhoffte Stabilisierungseffekt durch die Proteste in Heiligedamm<br />
ist mit anderen Worten nicht eingetreten. Insofern sind von dieser Seite<br />
in naher Zukunft wohl keine au&#223;ergew&#246;hnlichen Aktivit&#228;ten hinsichtlich<br />
&#8216;Krisenprotesten&#8217; bzw. Klassenk&#228;mpfen zu erwarten.</p>
<p>Bei aller Skepsis, es w&#228;re sachlich falsch und politisch<br />
kontraproduktiv, nunmehr das Handtuch zu werfen – denn es gibt durchaus<br />
Risse im Putz: Der wilde Streik bei Opel im Oktober 2004, der<br />
hartn&#228;ckige (wenn auch nicht sonderlich erfolgreiche) Streik im<br />
Einzelhandel (2007/08), der Lokf&#252;hrer-Streik (2007/08), die<br />
Emmely-Kampagne (seit 2007) – all diese und weitere (zum Teil bereits<br />
erw&#228;hnte) Beispiele zeigen, dass auch hierzulande Widerst&#228;ndigkeit<br />
m&#246;glich ist. In diesem Sinne sei abschlie&#223;end die Frage aufgeworfen,<br />
welche Rolle die bewegungsorientierte Linke im kommenden Krisengeschehen<br />
spielen k&#246;nnte bzw. sollte:</p>
<p>a) Zweierlei d&#252;rfte unstrittig sein: Die Krise kann jedeN treffen –<br />
Erwerbslose, abh&#228;ngig Besch&#228;ftigte, Studierende, NutzerInnen<br />
&#246;ffentlicher Dienstleistungen etc. Das aber hei&#223;t, dass Krisenk&#228;mpfe an<br />
ganz verschiedenen Orten ausbrechen k&#246;nnen. Zudem gilt, dass es keinen<br />
privilegierten Durchsetzungsmechanismus gibt, denn jede Gruppe hat ihre<br />
ganz eigenen Vorgehensweisen, mittels derer konkreter Druck entfaltet<br />
werden kann – sei es Streik, Besetzung, Demonstration oder eine<br />
Kombination aus alle dem. Mit anderen Worten: Es w&#228;re zu kurz gegriffen,<br />
lokale Krisenb&#252;ndnisse als blo&#223;e Vernetzungsorte zu bestimmen. Im<br />
Mittelpunkt sollte vielmehr das (in sozialen Zentren, workers centers<br />
oder &#228;hnlichen Orten verankerte) Bem&#252;hen stehen, sich wechselseitig in<br />
der Entfaltung unmittelbaren Drucks zu unterst&#252;tzen – und das auf<br />
mindestens f&#252;nf Weisen: Taktisch-Strategisch (Blockaden gegen<br />
StreikbrecherInnen etc), diskursiv-medial (Solidarit&#228;tsaktionen etc.),<br />
politisch-programmatisch (Propagierung globaler Solidarit&#228;t – zuungusten<br />
chauvinistischer bzw. rassistischer Krisenl&#246;sungsstrategien etc.),<br />
praktisch-organisatorisch (Vernetzung mit anderen Streikollektiven etc)<br />
sowie solidarisch-konkret (FahrerInnendienste etc.).</p>
<p>b) Die verbindliche Beteiligung an konkreten K&#228;mpfen (ob als BetroffeneR<br />
oder Unterst&#252;tzerIn) stellt erfahrungsgem&#228;&#223; eine extrem<br />
nervenaufreibende Angelegenheit dar. Vor diesem Hintergrund nehmen sich<br />
die zahlreichen Appelle der vergangenen Monate reichlich skurril aus,<br />
wonach lokale Krisenb&#252;ndnisse stets darauf achten sollten, Wirtschafts-,<br />
Energie-, Klima- und Ern&#228;hrungskrise gleicherma&#223;en zu behandeln. Wer so<br />
argumentiert, untersch&#228;tzt nicht nur die praktisch-allt&#228;glichen<br />
Erfordernisse in konkreten Auseinandersetzungen – nebst unvermeidbarer<br />
&#8216;Betriebs&#8217;blindheiten. Nein, verkannt wird auch, dass praktische K&#228;mpfe<br />
v&#246;llig anderen Gesetzm&#228;&#223;igkeiten unterliegen als diskursive<br />
Interventionen. Eine Problematik, welche ihrerseits auf den Umstand<br />
verweist, dass sich gro&#223;e Teile der bewegungsorientierten Linken bis<br />
heute nicht entschieden haben, ob sie ProtagonistInnen in sozialen<br />
(Klassen-)K&#228;mpfen werden m&#246;chten (ganz gleich, in welcher Position) oder<br />
ob sie ihre Rolle vornehmlich in der Organisierung punktueller<br />
Gro&#223;events bzw. zeitlich befristeter Kampagnen sehen.</p>
<p>c) Gerade weil sich soziale K&#228;mpfe als eine Art schwarzes Loch entpuppen<br />
k&#246;nnen (denn Taktgeber ist nicht der eigene Terminkalender, sondern die<br />
Konfrontationsdynamik mit einem realen, hochgradig interessegeleiteten<br />
Gegner), ist es naheliegend, auf lokaler Ebene die meist nicht<br />
sonderlich &#252;ppigen Kr&#228;fte an lediglich zwei oder drei<br />
Auseinandersetzungspunkten zu b&#252;ndeln – unbeschadet dessen, wie<br />
partikular bzw. nicht-repr&#228;sentativ jeder konkrete Kampf auf den ersten<br />
Blick erscheinen mag. Denn erfahrungsgem&#228;&#223; kann auf diese Weise durchaus<br />
betr&#228;chtliche Resonanz erzielt werden – mit der Konsequenz, dass die<br />
eigene Glaubw&#252;rdigkeit und Mobilisierungskraft rasant w&#228;chst, nicht<br />
zuletzt im Rahmen symbolisch-diskursiv ausgerichteter Gro&#223;ereignisse<br />
bzw. Aktionstage a lá 28. M&#228;rz.<br />
Olaf Bernau/NoLager Bremen</p>
<p>(1) Aus Gr&#252;nden der &#220;bersichtlichkeit beziehe ich mich auf der Ebene der<br />
Beispiele in erster Linie auf Arbeitsk&#228;mpfe. &#220;ber die im Text gemachten<br />
Literaturangaben hinaus m&#246;chte ich insbesondere auf folgende B&#252;cher<br />
verweisen:<br />
Nanni Balestrini/Primo Moroni, <em>Die goldene Horde. Arbeiterautonomie,<br />
Jugendrevolte und bewaffneter Kampf in Italien</em>, Schwarze Risse 1994;<br />
Torsten Bewernitz (Hrsg), <em>die neuen Streiks</em>, Unrast 2008;<br />
Peter Birke, <em>Wilde Streiks im Wirtschaftswunder</em>, Campus 2007;<br />
Flying Pickets (Hrsg), <em>Sechs Monate Streik bei Gate Gourmet</em>, Assoziation<br />
A 2007;<br />
Holger Marcks/Matthias Seiffert (Hrsg), <em>Die gro&#223;en Streiks</em>, Unrast 2008;<br />
Radaktion Druckw&#228;chter (Hrsg), <em>Akteure berichten &#252;ber den Arbeitkampf<br />
bei AEG/Elektrolux in N&#252;rnberg 2005-07</em>, Die Buchmacherei<br />
2009;<br />
Transact Nr 2 <em>„Krise und soziale K&#228;mpfe“</em> (http://transact.noblogs.org);<br />
Wildcat 68, <em>Beilage zu Fabrikbesetzungen in Argentinien</em>, Sommer 2004.</p></blockquote>
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		<title>Landgrab global und historisch</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Dec 2009 08:28:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus Euskirchen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[www.bauernkriege.de liefert ein interessantes Panorama von Landvertreibung, Enteignung der Allmende, Hunger und Revolten weltweit &#252;berblicksartig aus den vergangenen 3000 Jahren und tats&#228;chlich detailliert ab Sp&#228;tmittelalter/Fr&#252;hneuzeit. Unter der &#220;berschrift &#8220;Privatisierung des Gemeindeeigentums&#8221; hei&#223;t es: 
Urspr&#252;nglich als Genossenschaft von miteinander Wirtschaftenden, wurde die d&#246;rfliche Gemeinde im 19. Jahrhundert systematisch ihrer materiellen Grundlagen entbl&#246;&#223;t. Was heute unter dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wgdw.minuskel.de/wp-content/uploads/2009/12/hunger1847.jpg" rel="shadowbox[post-2391];player=img;"><img src="http://wgdw.minuskel.de/wp-content/uploads/2009/12/hunger1847.jpg" alt="Hungerrevolten im Fr&#252;hjahr 1847" title="Hungerrevolten im Fr&#252;hjahr 1847" width="200" align="left" /></a><a href="http://www.bauernkriege.de">www.bauernkriege.de</a> liefert ein interessantes Panorama von Landvertreibung, Enteignung der Allmende, Hunger und Revolten weltweit &#252;berblicksartig aus den vergangenen 3000 Jahren und tats&#228;chlich detailliert ab Sp&#228;tmittelalter/Fr&#252;hneuzeit. Unter der &#220;berschrift <a href="http://www.bauernkriege.de/AneignungZWEI.html">&#8220;Privatisierung des Gemeindeeigentums&#8221;</a> hei&#223;t es: <span id="more-2391"></span></p>
<blockquote><p>Urspr&#252;nglich als Genossenschaft von miteinander Wirtschaftenden, wurde die d&#246;rfliche Gemeinde im 19. Jahrhundert systematisch ihrer materiellen Grundlagen entbl&#246;&#223;t. Was heute unter dem Begriff der Bio-Produktion im st&#228;ndigen Sprachgebrauch genutzt wird, galt in der ersten H&#228;lfte dieses Jahrhunderts als r&#252;ckst&#228;ndig und &#252;berholt. Die dem Fortschritt dienen sollenden Reformen haben jedoch keineswegs ausschlie&#223;lich zur Modernisierung der Landwirtschaft beigetragen. Sie verhalfen vornehmlich der Bereicherung einiger weniger, wenn man sie in gesamter Wirkung betrachtet: &#8220;Regulierungsedikt&#8221; v. 14.9.1811 ; &#8220;Edikt &#252;ber die b&#252;rgerlichen Verh&#228;ltnisse&#8221; v. 11.3.1812 ; &#8220;Gendarmerie-Edikt&#8221; v. 30.7.1812 ; &#8220;Regulierungs- und Abl&#246;sebestimmungen&#8221; v. 29.5.1816 und v. 7.6.1821, die M&#252;nz- und W&#228;hrungsreform v. 30.9.1821 u.s.w.<br />
Die &#8220;Reformen&#8221;, die eigentlich einer Befreiung der Bauern von feudalen Abh&#228;ngigkeiten zugedacht waren, erwiesen sich in der harten Realit&#228;t f&#252;r die Landbev&#246;lkerung als Ursachen f&#252;r Verelendung und Verarmung. Die b&#228;uerlichen Gemeinden wurden mit unl&#246;sbaren Problemen des Pauperismus konfrontiert die zu den Hungerepidemien der 1830er und 1840er Jahre f&#252;hrten. Die sozialen Spannungen zerrissen schlie&#223;lich miteinander wirtschaftende Gemeinden. Aus nicht enden wollender Not versuchten sich hunderttausende Angeh&#246;rige einst fester Familienverb&#228;nde in gro&#223;en Abwanderungswellen vor dem Verhungern zu retten. Diese Folgen einer drastischen kulturellen R&#252;ckentwicklung f&#252;r etwa f&#252;nfzig Jahre werden in der traditionellen Geschichtsschreibung als &#8220;erfolgreiche Industrialisierung&#8221; verherrlicht w&#228;hrend die unglaublichen Bereicherungsorgien einiger weniger &#8220;Unternehmer&#8221; fast grunds&#228;tzlich verschwiegen werden.<br />
Wir wissen heute, dass die Reformen in der Regel von Staatsbeh&#246;rden angeordnete Bereicherungen f&#252;r oben waren. Sie orientierten wie beispielsweise die &#8220;Preu&#223;ische Gemeinheitsteilungsordnung vom 7.Juni 1821&#8243; auf die Durchf&#252;hrung von Privatisierungen des genossenschaftlichen Nutzungsverbandes der Gemeinden.</p></blockquote>
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		<title>&#8220;Verstaatlichungsma&#223;nahmen sind Kapitalspritzen f&#252;r private Banken&#8221;&#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2009 09:47:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus Euskirchen</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Verstaatlichung]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230;meint Sahra Wagenknecht im Telepolis-Interview. Und im k&#252;rzeren SZ-Interview erinnert sie sich an den Moment, in dem sie vom Lehmann-Kollaps erfuhrt: &#8220;Ich habe meine Gegner &#252;bersch&#228;tzt. Sie haben wirklich keinen Plan und sind in ihrer kurzsichtigen Konkurrenzlogik sogar noch d&#252;mmer, als Marx angenommen hatte.&#8221;
Mehr in ihrem neuen Buch: Wahnsinn mit Methode. Finanzcrash und Weltwirtschaft
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.sahra-wagenknecht.de/de/topic/148.rezensionen.html" title="Das neue Buch"><img src="http://wgdw.minuskel.de/wp-content/uploads/2009/03/sa.thumbnail.jpg" alt="Das neue Buch" align="left" width="200" height="200" class="attachment wp-att-1666 " /></a>&#8230;meint Sahra Wagenknecht im <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29298/1.html">Telepolis-Interview</a>. Und im k&#252;rzeren <a href="http://www.sahra-wagenknecht.de/de/article/485.ich-habe-meine-gegner-ueberschaetzt.html">SZ-Interview</a> erinnert sie sich an den Moment, in dem sie vom Lehmann-Kollaps erfuhrt: &#8220;Ich habe meine Gegner &#252;bersch&#228;tzt. Sie haben wirklich keinen Plan und sind in ihrer kurzsichtigen Konkurrenzlogik sogar noch d&#252;mmer, als Marx angenommen hatte.&#8221;<br />
Mehr in ihrem neuen Buch: <a href="http://www.sahra-wagenknecht.de/de/topic/148.rezensionen.html">Wahnsinn mit Methode. Finanzcrash und Weltwirtschaft</a></p>
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		<title>&#220;ber Armut und Arbeitszwang in eine neue Stasi-Gesellschaft</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Feb 2009 08:59:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus Euskirchen</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gesundheit/Soziales]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Verfassungsschutz sucht unter Hartz-IV-Empf&#228;ngerInnen „Observationskr&#228;fte“ und „Truppf&#252;hrer f&#252;r den mobilen Einsatz“: Die in N&#252;rnberg sitzende Bundesagentur f&#252;r Arbeit (BA) hat in Berlin Anfang des Jahres 2009 mehreren Dutzend Hartz-IV-Empf&#228;ngerInnen mit Leistungsk&#252;rzungen gedroht, sollten diese nicht dazu bereit sein, sich beim Inlandsgeheimdienst als „Observationskr&#228;fte“ und „Truppf&#252;hrer f&#252;r den mobilen Einsatz“ zur Verf&#252;gung zu stellen. Einziges [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><lang_de>Der Verfassungsschutz sucht unter Hartz-IV-Empf&#228;ngerInnen „Observationskr&#228;fte“ und „Truppf&#252;hrer f&#252;r den mobilen Einsatz“: Die in N&#252;rnberg sitzende Bundesagentur f&#252;r Arbeit (BA) hat in Berlin Anfang des Jahres 2009 mehreren Dutzend Hartz-IV-Empf&#228;ngerInnen mit Leistungsk&#252;rzungen gedroht, sollten diese nicht dazu bereit sein, sich beim Inlandsgeheimdienst als „Observationskr&#228;fte“ und „Truppf&#252;hrer f&#252;r den mobilen Einsatz“ zur Verf&#252;gung zu stellen. Einziges „Anforderungsprofil“ f&#252;r die neuen Schlapph&#252;te sei „ein Interesse an politischen Zusammenh&#228;ngen“, „k&#246;rperliche Fitness“, „die Bereitschaft zur Unterziehung einer Sicherheitspr&#252;fung“ und „eine flexible Arbeitszeitgestaltung“. <a href="http://de.indymedia.org/2009/02/241072.shtml">Mehr lesen</a></lang_de></p>
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		<title>Staatsziel Altersarmut</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Jan 2009 08:51:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus Euskirchen</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Armut]]></category>
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		<description><![CDATA[Altersarmut f&#252;r Geringverdiener ist Staats- und Regierungsziel in Deutschland. Mehr in trendOnlinezeitung
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			<content:encoded><![CDATA[<p><lang_de>Altersarmut f&#252;r Geringverdiener ist Staats- und Regierungsziel in Deutschland. <a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd0109/t200109.html">Mehr in trendOnlinezeitung</a></lang_de></p>
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		<title>Die Superreichen werden weltweit zahlreicher und reicher</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jun 2008 14:54:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ann St</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Eigentum]]></category>
		<category><![CDATA[Reichland]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 24.6. 2008 wurde der World Wealth Report von den Beratungskonzernen Merrill Lynch und Capgemini World ver&#246;ffentlicht. Laut dieser Studie haben 2007 die so genannten High Net Worth Individuals (HNWI), d.h. die Privatpersonen, die &#252;ber ein Nettofinanzverm&#246;gen von mehr als einer Million US-Dollar (ohne Verbrauchsg&#252;ter und eigengenutzte Immobilien) verf&#252;gen, um 9,4 Prozent auf 40,7 Billionen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 24.6. 2008 wurde der World Wealth Report von den Beratungskonzernen Merrill Lynch und Capgemini World ver&#246;ffentlicht. Laut dieser Studie haben 2007 die so genannten High Net Worth Individuals (HNWI), d.h. die Privatpersonen, die &#252;ber ein Nettofinanzverm&#246;gen von mehr als einer Million US-Dollar (ohne Verbrauchsg&#252;ter und eigengenutzte Immobilien) verf&#252;gen, um 9,4 Prozent auf 40,7 Billionen US-Dollar (oder 26 Billionen Euro) zugenommen.</p>
<p>Das durchschnittliche Verm&#246;gen dieser Personengruppe &#252;berschreitet erstmals die Grenze von 4 Millionen US-Dollar. Die Zahl der verm&#246;genden Privatpersonen bel&#228;uft sich weltweit auf 10,1 Millionen; die L&#228;nder Indien, China und Brasilien verzeichnen die st&#228;rkste Verm&#246;genszunahme. Der gr&#246;&#223;te Zuwachs der Personenzahl bei den HNWI war im Mittleren Osten, in Osteuropa und in Lateinamerika zu beobachten. Allerdings sind zwei Drittel der Reichen weiterhin in den USA und Europa zu finden.</p>
<p>Auch die Zahl der HNWIs wuchs um 6,1 Prozent auf 10,1 Millionen (in Deutschland leben 826.000, doppelt so viele wie in Indien, aber doch deutlich weniger als 3 Millionen in den USA).</p>
<p>Die Zahl der besonders Reichen (Ultra High Net Worth Individuals) mit einem Nettoverm&#246;gen von mehr als 30 Millionen US-Dollar ist mit 8,8 Prozent auf nun 103.000 noch st&#228;rker als die der nur Reichen gestiegen. Verdient wird weitgehend an den Aktienm&#228;rkten, also mehr oder weniger durch Spekulation, die wiederum die Preise in die H&#246;he treibt, worunter die &#228;rmeren Menschen leiden.</p>
<p>Quelle:<br />
<a href="http://www.heise.de/tp/blogs/6/109936">Telepolis, Florian R&#246;tzer, 25.06.2008</a></p>
<p>Mehr Informationen: <a href="http://www.de.capgemini.com/m/de/tl/World_Wealth_Report_2009.pdf">www.de.capgemini.com</a></p>
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		<title>RLS-Standpunkt: »Das globale Europa« – Partnerschaft, die Armut schafft?</title>
		<link>http://www.who-owns-the-world.org/2008/06/11/armut-im-globalen-europa/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Jun 2008 08:55:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus Euskirchen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reichtumsverteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein neues RLS-Standpunkte-Papier (Autorin: Annette Groth) widmet sich der handelspolitischen Strategie der Europ&#228;ischen Union, die den sprechenden namen „Global Europe – Competing in the World“ tr&#228;gt. Diese Strategie steht im Kontext des Vertrags von Lissabon, der im Dezember von den Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedsstaaten unterzeichnet wurde, und des ebenfalls beschlossenen „neuen Zyklus’ der Lissabon-Strategie“. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><lang_de>Ein <a href="http://www.rosalux.de/cms/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Standpunkte/Standpunkte_2008_12.pdf">neues RLS-Standpunkte-Papier</a> (Autorin: <a href="http://www.rosalux.de/cms/index.php?id=9928&#038;autorid=1456">Annette Groth</a>) widmet sich der handelspolitischen Strategie der Europ&#228;ischen Union, die den sprechenden namen „Global Europe – Competing in the World“ tr&#228;gt. Diese Strategie steht im Kontext des Vertrags von Lissabon, der im Dezember von den Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedsstaaten unterzeichnet wurde, und des ebenfalls beschlossenen „neuen Zyklus’ der Lissabon-Strategie“. Die neoliberale Vision eines ‚Globalen Europas’ zielt vor allem auf die St&#228;rkung der europ&#228;ischen Wettbewerbsf&#228;higkeit ab, die durch weitere „Reformen“ und „Flexicurity-Ma&#223;nahmen“ auf dem Arbeitsmarkt in den EU-Mitgliedsl&#228;ndern und durch neue Handels- und Investitionsabkommen mit Drittstaaten erh&#246;ht werden soll. <span id="more-1025"></span></p>
<p>Auf seiner Sitzung im Juni 2007 hat der Rat der Europ&#228;ischen Union die neue Handelsstrategie unter dem Titel „Das globale Europa &#8211; Eine starke Partnerschaft zur &#214;ffnung der M&#228;rkte f&#252;r europ&#228;ische Exporteure&#8221; angenommen. Diese Strategie setzt, so der offizielle Jargon, „auf eine aktive Politik der &#214;ffnung sowohl innerhalb der EU als auch gegen&#252;ber Drittl&#228;ndern, die Europa in die Lage versetzen soll, im globalen Wettbewerb zu bestehen.“ Um zu gew&#228;hrleisten, dass die europ&#228;ischen Institutionen die Beseitigung von Marktzugangsbeschr&#228;nkungen unterst&#252;tzen, wird eine st&#228;rkere Zusammenarbeit zwischen EU-Mitgliedsstaaten, EU-Kommission und Unternehmen angestrebt. </lang_de></p>
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		<title>Armutsbericht: BAMS statt BMAS</title>
		<link>http://www.who-owns-the-world.org/2008/05/21/armutsbericht-bams-statt-bmas/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 May 2008 08:14:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rainer Rilling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reichtumsverteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>

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		<description><![CDATA[Der &#8220;Entwurf des Bundesministeriums f&#252;r Arbeit und Soziales&#8221; f&#252;r den &#8220;3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung&#8221; &#252;ber &#8220;Lebenslagen in Deutschland&#8221; vom 19.Mai 2008 zirkuliert zun&#228;chst als Kurzfassung (der Teil A des Berichts) und mittlerweile auch in G&#228;nze.  Die Pr&#228;sentation verdient eine eigene kurze Betrachtung.
Im Unterschied zu den Vorl&#228;ufern, deren vorbereitende breite interne und auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der &#8220;Entwurf des Bundesministeriums f&#252;r Arbeit und Soziales&#8221; f&#252;r den &#8220;3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung&#8221; &#252;ber &#8220;Lebenslagen in Deutschland&#8221; vom 19.Mai 2008 zirkuliert zun&#228;chst als <a href="http://www.axel-troost.de/serveDocument.php?id=705&amp;file=6/1/5bc7.pdf">Kurzfassung </a>(der Teil A des Berichts) und mittlerweile auch in <a href="http://www.axel-troost.de/serveDocument.php?id=704&amp;file=7/3/6a7.pdf">G&#228;nze</a>.  Die Pr&#228;sentation verdient eine eigene kurze Betrachtung.</p>
<p><span id="more-1009"></span>Im Unterschied zu den Vorl&#228;ufern, deren vorbereitende breite interne und auch &#246;ffentliche Debatte weitgehend nachvollziehbar war, ist dies hier nicht der Fall gewesen. Auf der Website des BMAS ergibt die <a href="http://www.bmas.de/coremedia/generator/16194/ergebnisse.html?Schlagwort=Armutsbericht">Suche </a>nach &#8220;Armutsbericht&#8221; die Antwort: Sind Sie sicher, dass Sie Ihr Schlagwort <strong>&#8220;Armutsbericht&#8221;</strong> richtig geschrieben haben?&#8221; Auf der Site des BMAS gibt es bislang (21.5.08) weder den Entwurf noch die Materialien noch die vorg&#228;ngigen Studien, die Grundlage des Berichts waren und die im Falle anderen Berichte im Netz frei zug&#228;nglich waren. Der Bericht selbst z&#228;hlt einen Beraterkreis und das Wissenschaftliche Gutachtergremium auf (S.261f.), nicht aber deren Interventionen / Positionen bzw. die Stellungnahmen und Gutachten.</p>
<p>Statt dessen findet sich &#8211; widerum auf der Website des Ministeriums (BMAS) &#8211; ein Interview des Bundesministers Olaf Scholz mit der &#8220;Bild am Sonntag&#8221; (BAMS). BAMS <a href="http://www.bild.de/BILD/news/politik/2008/05/18/armutsbericht/jeder-achte-ist-betroffen,geo=4562826.html">titulierte </a>dieses mit &#8220;Jeder achte Deutsche lebt in Armut!&#8221;, BMAS dagegen <a href="http://www.bmas.de/coremedia/generator/26132/2008__05__19__scholz__bamsinterview.html">pr&#228;sentiert </a>dieses Interview mit der &#220;berschrift &#8220;Der Sozialstaat wirkt&#8221;. Diese <strong><em>Sch&#246;nrederei </em></strong>der Ergebnisse der Studie war verbunden mit mit leichtf&#252;&#223;igem Umgang mit statistischen Basisdaten, der von dem <a href="http://www.who-owns-the-world.org/wp/2008/05/20/armut-diw/">DIW</a>, aber auch den Gr&#252;nen zu Recht kritisiert wurde: &#8220;<em>Das Bundesministerium f&#252;r Arbeit und Soziales nutze eine Datengrundlage, die weder aktuell noch aussagekr&#228;ftig sei. Mit Zahlentricks werde die bedr&#252;ckende Wirklichkeit verschleiert. Die vom Arbeitsminister herangezogene Datenbasis des EU-SILC (EU Statistics on Income and Living Conditions) beruhe auf einer unzureichenden Datenbasis und sei nicht vergleichbar mit den Zahlen der letzten beiden Armutsberichte. „W&#252;rde man die bew&#228;hrten und umfassenderen Daten des Sozio&#246;konomischen Panels heranziehen, l&#228;ge die Armutsquote 2006 bei 18,3 Prozent statt bei der von Scholz ver&#246;ffentlichen 13 Prozent f&#252;r 2005.“</em>, so Kurth (Die Gr&#252;nen). <strong>Die Wirkung des Sozialstaates ist unbestritten &#8211; aber dieser neoliberal ausgezehrte Sozialstaat verhindert offenbar nicht, dass die Armen in Deutschland immer &#228;rmer &#8211; und immer mehr werden</strong>.</p>
<p>Die vorzeitige und in der Koalition nicht abgestimmte Publikation des Berichts durch den SPD-Minister (die Publikation sollte Mitte Juni erfolgen) hatte wie das vorhergehende monatelange Verschieben der Publikation des Berichts selbst den Zweck, eventuelle Kollateralsch&#228;den im Zusammenhang mit den Landtagswahlen dieses Jahres zu verhindern und aktuell das Sch&#246;nreden der Ergebnisse in der &#214;ffentlichkeit zu verankern. Das aber ist gelungen &#8211; Hunderte von Medien &#252;bernahmen die Lesart des Ministers &#8211; der <a href="http://www.uebergebuehr.de/de/aktuell/news/meldung/ansicht/2008/05/armutsbericht-dgb-fordert-sofortprogramm-gegen-armut/">DGB </a>forderte wieder mal ein Sofortprogramm und dass sich Frau von Leyen beschwerte, war &#228;hnlich hilflos.</p>
<p>Zur politischen Anlage des Berichts geh&#246;rt, weiter, dass hinter die begr&#252;&#223;enswerte Behandlung der Situation von Menschen mit Behinderungen, &#8220;Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen&#8221; und von &#8220;Menschen mit Migrationshintergrund&#8221; die zentrale Frage der Einkommens- und Lohnsituation sowie -entwicklung in den Hintergrund ger&#252;ckt wird. Endlich macht der Bericht den nach langen Jahren erreichten Fortschritt, nicht nur einen Armutsbericht zu publizieren sondern zugleich die Frage des Reichtums und seiner Entwicklung zu thematisieren wieder r&#252;ckg&#228;ngig. <strong>Im Unterschied zu den vorangegangenen Berichten handelt es sich hier faktisch nur um einen Armutsbericht</strong> &#8211;  nur 8 der &#252;ber 360 Seiten des Berichts  befassen sich mit der  Reichtumsfrage. Sie behandeln dabei zudem im wesentliche n relevante methodische und theoretische Fragen und bieten keine f&#252;r ein breiteres Publikum verst&#228;ndliche Skizze der Reichtumssituation in Deutschland. Im Berichtsteil insoweit unerw&#228;hnt bleibt die immerhin auf S. 296 genannte tabellarische Notiz, <strong>dass die oberen zehn Prozent der Bev&#246;lkerung ihren Anteil am Verm&#246;gen in der BRD von 1998 44 % auf 56 % in 2002 steigern konnten, wogegen im selben Zeitraum der Anteil der unteren 50 % von 4 % auf 2 % sich halbierte.</strong> Wer nach einer im Diskussionsteil ignorierten Quintessenz des Berichts sucht, ist mit dieser Angabe zu den Ungleichheitseffekten des deutschen Kapitalismus ausreichend informiert.</p>
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