(Deutsch) Vergewaltigung aufgrund von Sexsucht?

Lea | Tags: Gender Relations

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Der Beitrag wurde am 19. July 2011 um 18:47 Uhr von Lea veröffentlicht. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

Comments

7 Comments

  1. Markus Euskirchen, July 20th, 2011 | 10:25 |

    empörung über den medialen umgang mit dsk. einverstanden. aber ist es mit dem hinweis auf den patriarchalen rollback getan?
    mir scheint der rollback an dieser stelle nicht ziel, sondern eher mittel. und die frage “mittel zu was?” enthüllt dann auch die bezüge zu den kernthemen dieses blogs. da wären zunächst einmal die flügelkämpfe innerhalb der finanzpolitischen eliten um die “richtige” strategie und taktik globaler währungs- und finanzpolitik. da wird dsk dann eben mittels affäre abgesetzt. dann die versuche, vom mehr schlechtem als rechtem “kriesenmanagement”, das im wirtschafts- und politikteil prominent abgehandelt und manchmal sogar kritisiert wird, abzulenken auf eine sexaffäre, deren berichterstattung tendeziell in richtung vermischtes geframed wird. Das bringt ein kleiner cartoon ganz schön auf den strich.
    und schließlich wäre es interessant zu fragen, wie ein system zu demontieren ist, das die verteilung des gesellschaftlichen reichtums und des zugriffs auf die mittel zur reprodukion desselben so ungerrecht verteilt, dass strukturell und zwangsläufig immer wieder menschen (und eben nach wie vor meistens männer, aber das zu ändern geben sie sich ja auf seiten der macht tatsächlich ernstzunehmende mühe. auch das wäre zu kritisieren – ohne sich dabei plötzlich in einer reihe mit quotenkritikerinnen aus der cdu wiederzufinden) so mächtig werden, dass sie über andere meinen komplett verfügen zu können – und zwar nicht nur sexuell, sondern auch in der als ganz normal verharmlosten, täglichen dreckslohnarbeit.

  2. Gertlies, July 20th, 2011 | 11:55 |

    @markus: vielleicht erklärst du deine ergänzung nochmal genauer? bei mir blieben die folgenden fragezeichen nach dem lesen deines kommentars:

    der patriarchale rollback ist ein mittel zur durchsetzung finanzpolitischer interessen sowie zur ablenkung vom miesen krisenmanagement?
    der obige text geht an den kernthemen dieses blogs vorbei, da jener ‘nur’ die frage stellt “wem gehören unsere körper?”, anstatt ökonomische themen im engen sinn zu behandeln?
    dass menschen auf die idee kommen, über die körper anderer komplett verfügen zu können, liegt allein am kapitalismus und kann nur durch dessen abschaffung geändert werden, nicht aber durch feministische und queere kämpfe gegen patriarchale herrschaftsverhältnisse und betonierte geschlechterrollen? vergewaltigung ist im grunde nur eine verschärfte form der herrschaft des kapitals über die arbeit?

  3. Markus Euskirchen, July 20th, 2011 | 15:07 |

    > der patriarchale rollback ist ein mittel zur durchsetzung
    > finanzpolitischer interessen sowie zur ablenkung vom miesen
    > krisenmanagement?

    genau. auch.

    > der obige text geht an den kernthemen dieses blogs vorbei,
    > da jener ‘nur’ die frage stellt “wem gehören unsere körper?”,
    > anstatt ökonomische themen im engen sinn zu behandeln?

    nicht ganz, sondern:
    der obige text trifft die kernthemen dieses blogs nur teilweise, da er zwar immerhin implizit die frage stellt “wem gehören unsere körper?”, aber weitere wichtige fragen, z.b. ökonomische themen im engeren sinne nicht einmal aufwirft.

    > dass menschen auf die idee kommen, über die körper anderer
    > komplett verfügen zu können, liegt allein am kapitalismus
    > und kann nur durch dessen abschaffung geändert werden, nicht
    > aber durch feministische und queere kämpfe gegen patriarchale
    > herrschaftsverhältnisse und betonierte geschlechterrollen?

    ich weiß nicht, wo das “allein” und das “nur” sich in deine lesart einschleichen. in meiner ergänzung finde ich sie jedenfalls nicht, bzw. eher das gegenteil, nämlich ein “nicht nur … sondern auch”. pluralität und verschränktheit der herrschaftsverhältnisse. ich empfehle zum weiterlesen z.b. “drei zu eins” und die daran anschließende debatte um “dreifachunterdrückung”.

    > vergewaltigung ist im grunde nur eine verschärfte form der
    > herrschaft des kapitals über die arbeit?

    nein, wo sag ich das denn? siehe oben.

  4. Tina, July 21st, 2011 | 18:05 |

    Ich finde es gut, darüber nachzudenken,welche Strategien dazu führen, dass in Deutschland erfolgreich die Vorstellung durchgesetzt werden konnte, die Krise sei vorbei. Dass Krisenbewältigungsstrategien neben autoritären Politiken gegen Muslime oder Erwerbslose auch mit einem patriarchalen Rollback zu tun haben können klingt logisch.
    Aber nur weil die Debatten entsprechend funktionieren, sagt dies wenig über das Werden und Sein patriarchaler Strukturen aus. Auch müssten da wohl mehr Erklärungen über den Zusammenhang von Krise und den Vergewaltigungsfällen her als ein Comic.
    Wieso der Artikel an der Frage, wem die Welt gehört, vorbeigehen soll, übersteigt allerdings meine Vorstellungskräfte. Vergewaltigungen, häusliche Gewalt, Tod durch häusliche Gewalt oder geschlechterspezifische Ungleichheiten müssen als gesellschaftsumfassendes soziales Problem thematisiert werden. Das gilt auch für den Strauss-Kahn- und den Kachelmann-Prozess, die für ihren Voyeurismus, die Verschwörungstheorien und den verkappten Umgang mit Sexismus unbedingt kritisiert werden müssen. Es ist genau richtig, dies im Zusammenhang mit der Frage “wem gehört die Welt?” hier an dieser Stelle zu tun. Wo sonst?

    Eine Ebene beider Fälle spricht der Artikel jedoch nicht an: Wieso wird der Wahrheitsgehalt der Zeuginnenaussagen immer dann in Frage gestellt, wenn sie vor Gericht stehen und selbstbewusst auftreten?
    Aus linker Perspektive stellt sich mir daran anschließend die Frage – ohne die Opferposition vergewaltigter Frauen relativieren zu wollen – wie das Bild offensiver Frauen mit kämpferischen Forderungen zu dem Bild vergewaltigter Frauen passt.

  5. Markus Euskirchen, July 22nd, 2011 | 11:34 |

    > Eine Ebene beider Fälle spricht der Artikel
    > jedoch nicht an: Wieso wird der Wahrheitsgehalt
    > der Zeuginnenaussagen immer dann in Frage
    > gestellt, wenn sie vor Gericht stehen und
    > selbstbewusst auftreten?

    die ausblendungen gehen noch weiter und fallen auf uns selbst zurück: woher kommen die unterschiede in der behandlung verschiedener gegenüber mächtigen männern selbstbewußt vorgehender frauen? weil die eine recht hellhäutig und wohlhabend ist, ich darf erfahrung im umgang mit finanzinstitutionen voraussetzen (was ihr offensichtlich positiv ausgelegt wird), die andere jedoch vergleichsweise dunkelhäutig und arm, aber erfahren im umgang mit welfare-institutionen, was ihr negativ ausgelegt wird? und mich nicht falsch verstehen: wie bei allen anderen vergleichen der situationen kämpfender geht es mir um eine nivellierung der bedingungen nach oben.
    wem gehört die welt: denen, die die unterschiedlichen herrschaftsverhältnisse (sexismus, rassismus, klassismus,…) so zu verschränken wissen, dass wir sie kaum entflochten bekommen, geschweige denn aufgehoben und eher in die gefahr geraten, über die völlig nebensächliche frage ihrer hierarchisierung zu streiten.

  6. Lea, July 22nd, 2011 | 14:51 |

    @markus: wem gehört dieser blog, dass du sagen kannst, mein beitrag zum medialen scheitern an dem thema vergewaltigung ginge an dem kernthema dieses blogs vorbei? wem gehört dieser blog, wenn nicht denjenigen, die hier mit linken, emanzipatorischen, antikapitalistischen und queerfeministischen brillen im gepäck bloggen!? wenn ich von einem medialen scheitern im zusammenhang mit der vergewaltigungsdebatte schreibe, dann deshalb, weil ich nicht der meinung bin, diskriminierungsdynamiken z.b. aufgrund von geschlecht würden sich mit der aufhebung des kapitalismus von selbst erledigen. (haupt- nebenwiderspruchsthese!) vielmehr halte ich es für angebracht im hier und jetzt an gesellschaftliche kämpfe anzuknüpfen und sich öffentlich z.b. in die besagte debatte einzumischen, um emanzipatorische veränderrungen zu diskutieren und in gang zu bringen!
    deshalb denke ich, dass eine medial aufgepumpte debatte um vergewaltigung, die u.a. voll ist mit miesen geschlechterrollenklischees – die im übrigen auch immer ihre ökonomische seite haben(!) – durchaus einen beitrag wert es ist auf diesem blog; es geht doch immer auch um eine aneignung und verschiebung der diskurse um z.b. vergewaltigung, um konkrete politische forderungen, um fragen nach strategien im umgang damit usw. und dafür braucht es sichtbare linke, queerfeministische debatten und interventionen. von nix kommt nix:-)

  7. Sabine, August 4th, 2011 | 12:37 |

    Hallo ihr,
    ich will die Debatte nicht inhaltlich weiterführen oder dran anknüpfen. Denn: Klar passt das hier hin, und zwar zur Thematik “wem gehört der Körper”. Man muss sich das aber wirklich erst erschließen, indem man den Text liest. Daher wäre so ein Satz in der Überschrift oder gleich in den ersten Sätzen ganz gut. Das ist ein rein redaktioneller Hinweis.
    herzliche Grüße
    Sabine

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    Lea

    schaut mit feministischem Blick auf die Themenfelder des Blogs und sucht nach queeren Kulturen und Praxen....




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